Bildung – was ist das eigentlich?

Wilhelm Von Humboldt

Wilhelm von Humboldt,
Kreidezeichnung von 
Johann Joseph Schmeller

Bildung – das klingt irgendwie nach Schule. Tatsächlich denken viele von uns an Schule, wenn sie den Begriff hören. Doch wenn Schule für Bildung steht, dann ist Bildung „nur“ Wissen. Ist das alles?
Was ist Bildung wirklich?
Wenn wir bei „Wer wird Millionär“ einen Kandidaten sehen, der besonders gut durch die Fragen kommt, ist er dann gebildet? Wer definiert überhaupt, was man wissen muss und was nicht?

Die Fragen bei WWM sind zum Beispiel Fragen des sogenannten Allgemeinwissens. Doch muss man eine Frage wie „Welches Promi-Paar gab im Janaur 2012 seine Trennung bekannt?“ wirklich beantworten können um gebildet zu sein?
Wie sieht es mit einer Frage nach dem höchsten Berg der Welt aus? Hier würden die Meinungen vermutlich weniger auseinander gehen.
Und wenn man die oben gestellten Fragen beantworten können muss: was bringt einem das? Kann man damit seinen Lebensunterhalt verdienen? Kann man damit wenigstens schon Hartz 4 beantragen?
Die Theorie von Humboldt
Was ist, kann und sollte Bildung – fragt der Macher von Zementblog und hat mich damit überhaupt erst auf das Thema gebracht. Die Frage ist berechtigt.
Was hätte Wilhelm von Humboldt, der Urvater dessen, was wir in der Moderne als Bildung auffassen, zu sagen? Er definierte Bildung als:
„Die Anregung aller Kräfte des Menschen, damit diese sich über die Aneignung der Welt entfalten und zu einer sich selbst bestimmenden Individualität und Persönlichkeit führen.“
Schule kann nicht alles leisten …
Hier wird klar: Es geht nicht nur um Wissen. Es geht darum alle Kräfte des Menschen anzuregen, die dazu führen, dass er sich frei entfalten kann, dass er eine eigene Persönlichkeit ausprägen kann – und zwar selbstbestimmt. Schule allein kann das nicht leisten, denn das heißt einerseits Fähigeiten zu lernen, die mehr auf Lebensführung abzielen, aufs klar kommen in einer sich ständig ändernden Welt. Andererseits darauf, eigene Talente zu entdecken und zu fördern.

Und unterschiedliche Talente gibt es reichlich. Unter den vielen möglichen Talenten könnte eines sein, gut schreiben zu können. Doch das Handwerk dafür lernt man in der Schule gar nicht. Klar – man lernt Grammatik, trainiert einen durchschnittlichen Wortschatz. Aber wie man Sätze formuliert, dass sie nicht nur grammatikalisch korrekt sind, sondern auch eine Wirkung erzielen, lernt man  nicht.
„Bildung ist das, was übrig bleibt, wenn der letzte Dollar weg ist.“ (Zitat Mark Twain)
Was also macht einen gebildeten Menschen aus? Nach einem deutschen Pädagogen, Hartmut von Hentig, müsste man unter Anderem:
  • Abscheu und Abwehr von Unmenschlichkeit aufbringen
  • Glück wahrnehmen
  • den Willen und die Fähigkeit sich zu verständigen aufbringen
  • Selbstverantwortung und Verantwortung aufbringen
Das beinhaltet Dinge, die viele Leute meinen, wenn sie von Bildung sprechen: Wissen, Intellekt, Kultiviertheit. Aber dazu gehört auch, was den Menschen erst zum Menschen macht: seine Individualität – und seine Fähigkeit zur Lebensbewältigung
Aber wenn das so ist: Kann man dann noch vergleichen? Ist ein Manager, nach Abitur und Studium, dann gebildeter als eine Hausfrau, die gerade so die Hauptschule geschafft hat, dafür aber erfolgreich einen Haushalt schmeißt, die Entwicklung ihrer Kinder voran treibt, ihren Mann an alles erinnert, was er vergisst, und nebenbei vielleicht noch acht Stunden in der Woche bei Aldi an der Kasse sitzt?
Dieser Artikel ist ein Beitrag zu einer Blogparade: „Was ist, kann und sollte Bildung?“ (via Zementblog)

3 Gedanken zu „Bildung – was ist das eigentlich?“

  1. Netter Blogartikel zum Thema Bildung. Wobei man wie im letzten Absatz angemerkt die Bildung meiner Meinung nach nicht am Abschluss messen kann. Bildung entwickelt sich auch durch Lebenserfahrung und Weiterentwicklung nach der Schulzeit.

  2. > Bildung entwickelt sich auch durch Lebenserfahrung und
    > Weiterentwicklung nach der Schulzeit.
    Ich hätte es nicht besser sagen können 🙂

  3. Interessante Aspekte! Man sollte sie sich immer mal wieder vor Augen halten! Denn das Glückt liegt vielleicht auf der Straße, aber es kommt darauf an, dass wir auch lenen es zu erkennen.

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