Wie sich eine Bestellung bei Bose zur Odyssee entwickelte

Wie lange kann die Bestellung eines paar Kopfhörers von Bose dauern?

Der Tag, an dem ich Kopfhörer bei Bose direkt1 bestellte, war ein Montag. Niemals hätte ich damit gerechnet, dass ich die gewünschten Kopfhörern nach vier Wochen immer noch nicht in den Händen halten würde.

Als ich sie bestellte entschied ich mich töricht für die Zahlung per Lastschriftverfahren. Ein paar Klicks später erhielt ich eine Bestellbestätigung.

Zwei Tage später waren weder die Kopfhörer noch eine Lieferbestätigung da und auf meine Nachfrage teilte man nur lapidar mit: Zum Lieferzeitpunkt könne man nichts sagen, da das unterschriebene Sepa-Mandat nicht vorliege und man ohne dies mein Bankkonto nicht belasten könne. Unterschrieben war die Mail mit „Ihr Bose Kundenservice“.


Sepa, Neuland Internet, schöne neue Welt

Ich zuckte mit den Schultern. Wovon redeten die? Ein unterschriebenes Sepa-Mandat? Sollte nicht weiterhin eine unterschriftslose Lastschrift für Online-Bestellungen möglich sein? Und selbst wenn nicht: Warum hatte man mir keine Mail mit dem Formular geschickt oder in der Bestellung zum Download angeboten oder an die Bestellbestätigung angehängt? Irritiert fragte ich nach, entschied mich dann aber, eine zweite Bestellung vorzunehmen (diesmal mit Kreditkartenzahlung) und die erste Bestellung zu stornieren.

Statt der Kopfhörer traf nach zwei Tagen ein Brief von Bose ein. Darin ein Formular, dass ich bitte ausfüllen und per Post zurückschicken sollte – ein Sepa-Mandat. Ich machte mich darüber bei Twitter traurig (lustig machen würde nicht passen). Per E-Mail erfrage ich den Status der Bestellung.

Am nächsten Morgen teilte man mir mit:

„Der Auftrag befindet sich noch in der Bearbeitung. Derzeit liegt uns noch keine Tracking-ID vor, eine automatische Benachrichtigung wird von UPS leider nicht versendet.“

Ich gebe freimütig zu: Ich bin von Natur aus ein ungeduldiger Mensch – und noch dazu verwöhnt von 24-Stunden-Lieferungen eines gewissen amerikanischen Versandhändlers. Folglich empfinde ich drei Werktage für ein lumpiges Paar Kopfhörer bereits als langen Zeitraum für eine Lieferung, aber was, wenn bis dahin nicht mal der Versand erfolgt ist?

Exakt 7 Tage von der ursprünglichen Bestellung wähnte ich mich am Ziel, ich hielt ein Päckchen von BOSE in der Hand. Leider musste ich feststellen, dass es die falschen Kopfhörer sind.2

Jetzt sollte die Bestellung erst richtig aus dem Ruder laufen.

Dabei klang nach einer Mail an Bose alles so einfach: Die Kopfhörer würden von UPS abgeholt, geprüft und schließlich ausgetauscht.

Zwei Tage später, 9 Tage seit der Erstbestellung
Das Abholaufträge bei UPS kein großes Problem darstellen, zeigte schließlich der Fall meiner Freundin. Sie ließ ihr Smartphone zwecks Reperatur von UPS abholen. Zwischen Auftragserteilung im Internet und Abholung an der Haustür vergingen: 15 Minuten. Meine Kopfhörer dagegen lagen noch hier, der UPS-Fahrer hatte keinen Auftrag und meinte aufmunternd: „Naja, wahrscheinlich hab ich dann morgen einen Abholauftrag“. Fast sollte er Recht behalten – zwei Tage später holte er die Kopfhörer ab.

14 Tage seit der Erstbestellung:
Inzwischen war mein Urlaub vorbei und so wollte ich meine Empfängeradresse dann doch ändern. Die Antwort folge prompt:

(…) bedauern (…), dass wir keine Möglichkeit haben den Warenempfänger in Ihrem Fall noch abzuändern

Mein Herz machte einen kleinen Sprung. Für mich klang das wie „Tut uns leid, die Kopfhörer sind schon verschickt, jetzt können wir da nichts mehr ändern.“

5 Tage später, 19 Tage seit der Erstbestellung:
Ich fragte per Mail nach einer Tracking-Nummer. Die Antwort verschlug mir für einen Moment die Sprache:

Da der Rückversand in unserem System bisher nicht verbucht wurde, bitten wir Sie uns nach Möglichkeit die dazugehörige Tracking-ID zukommen zu lassen,

Mittlerweile war ich ein brodelnder, aktiver Vulkan: Bereit auszubrechen, wenn Kollegen oder Freunde mich nach meiner Bestellung bei Bose fragten. Diese Mail war weit mehr als es braucht, jemanden aus der Ruhe zu bringen, der seit über zwei Wochen auf Kopfhörer im Wert von 300 Euro wartet, die er obendrein auch schon bezahlt hat. Unnötig zu sagen, dass ich mehr als irritiert darüber war, dass man die Tracking-ID zu einem selbst erteilten Abholfauftrag nicht kannte. Ich bemühte mich trotzdem, nicht völlig auszurasten.

In der Zwischenzeit war ich übrigens damit beschäftigt, dem Bose Social Media Team zu erklären wie Twitter funktioniert. Sie boten mir aufgrund meiner zahlreichen Rants auf Twitter nämlich Hilfe an, begriffen dabei aber leider nicht, dass man ihnen keine „PNs“ schicken kann, wenn sie einem nicht folgen (oder vorher schreiben). Die Response-Zeiten des Social Media Teams via Twitter waren aber ohnehin nicht viel besser als die per E-Mail (zwischen den Antworten vergingen in der Regel zwischen 2 und 4 Tagen), sodass ich mir hier nicht wirklich Hilfe erhoffte.

Weitere 3 Tage später, 22 Tage seit der Erstbestellung:
Eigentlich war ich in diesen Tagen relativ ausgeglichen, einzig das Thema Bose konnte mich zur Weißglut bringen. Meine Gefühlslage lag mittlerweile irgendwo zwischen blanker Wut und hoffnungsloser Resignation. Ich zog in Erwägung doch bei Amazon zu bestellen, wie es ein Freund mit seinen On-Ear von Bose getan hatte und der seine Ware natürlich längst hatte. Eine letzte Chance wollte ich Bose jedoch geben und verschärfte den Ton: Ich mahnte die ausstehende Lieferung an, forderte mit Fristsetzung zur Lieferung auf und wies darauf hin, dass ich anschließend den Verzugsschaden geltend machen würde.

Diese E-Mail sollte die vorletzte bleiben, die ich an Bose schrieb. Sie wurde nie beantwortet.

Die Welt drehte sich weiter, das Bose Social Media Team lernte eine wichtige Lektion über Twitter und kontaktierte mich zwischenzeitlich per DM. Wie von Ihnen gewünscht gab ich Ihnen alle relevanten Daten durch: Bestellnummer, Tracking-ID des Abholauftrags und eine kurze Historie der letzten Ereignisse. Ich rechnete mittlerweile nicht mehr mit Fortschritten.

Weitere 10 Tage später, 32 Tage seit der Erstbestellung:
Eines hatte ich mittlerweile gelernt: Wenn man nicht nachfragt, passiert bei Bose gar nichts. Diese Erkenntnis hatte sich im vergangenen Monat mehrfach bestätigt: ob via E-Mail, via Twitter und wie sich nun rausstellen sollte auch per Telefon. Zuletzt hatte mir das Bose Social Media Team einen Tag zuvor auf Nachfrage geantwortet, dass sie noch nichts Neues wissen.

An diesem Tag, es war ein Samstag, rief ich bei Bose an.

Am Telefon war Frau W.3 Sie verstand meine Aufregung, konnte den Vorgang aber nicht unmittelbar aufklären – was ich verstand, weil es eben Samstag war. Sie wollte mich aber am Montag zurückrufen, wenn sie mit ihren Kollegen Rücksprache gehalten hatte. Immerhin, Frau W. sollte die einzige Kontaktperson bei Bose sein, deren Namen ich erfuhr – überall sonst agierte der Bose Kundendienst gesichtslos als „Bose Kundendienst“ – und schließlich auch die Einzige, die etwas bewegen sollte. Daher möchte ich darüber hinweg sehen, dass sie zunächst nicht zurückrief. Zu diesem Zeitpunkt wusste ich es nicht, doch wir näherten uns dem Finale.

33 Tage seit der Erstbestellung:
Ich rief erneut bei Bose an. Wütend war ich schon lange nicht mehr, einen etwas zynischen Tonfall konnte ich mir aber nicht verkneiffen als ich erneut Frau W. am Hörer hatte. Sie hatte gute Nachrichten für mich: Die Kopfhörer wären versandbereit und würden noch am selben Tag rausgehen.

Ich holte Luft. Mein Büronachbar blickte von seinem Monitor auf, als ich meine Tirade anfing: Ich ließ verlauten, dass mich das zwar freue – das jedoch nicht genug sei. Nach all der Zeit, die ich gewartet hatte, all dem Aufwand und all der Passivität seitens Bose wäre wohl sowas wie eine Entschädigung angebracht. Frau W. schluckte und reagierte schließlich wie erwartet. Sie sagte, dass sie das nicht entscheiden könne und dass sie mich zurückrufen wolle. Zähneknirschend willigte ich ein.

Zwei Tage später rief sie zurück und verkündigte fröhlich, welche Entschädigung Bose für mich hätte. Mein Büronachbar grinste als ich ihre Worte ungläubig wiederholte. Ich lehnte erst ab, gab mich dann aber geschlagen und sagte: „Ja, schicken Sie mir es halt zu“

Nach unserem Telefonat erhielt ich eine Auftragsbestätigung per Mail (für die Entschädigung) und etwas später auch die Sendungsverfolgungsnummer für meine Kopfhörer. Beim zweiten Zustellversuch erwischte UPS einen glücklichen Zeitpunkt, bei dem meine Freundin zuhause war.

Am 4. September, 39 Tage nach der Erstbestellung, erreichten mich meine Kopfhörer.

Etwa eine Woche, einen erfolglosen Zustellversuch und einen Umleitungsauftrag via UPS MyChoice (danke UPS für dieses großartige Angebot!) später erreichte mich dann auch die Entschädigung:

Bose-Entschädigungsschlüsselanhänger
Bose-Entschädigungsschlüsselanhänger

Stille Post – Wie aus vier Verletzten 288 Leichen werden

In der Nacht von Samstag auf Sonntag
kam es in Mönchengladbach zu einem bisher nicht da gewesenem
Zwischenfall. Bei einem Zusammentreffen der rivalisierenden
Rockergangs „Hells Angels“ und der „Bandidos“ kam es erst zu
einer Explosion und anschließend einer Schießerei. Die Anzahl der
getöteten Personen liegt nach Schätzungen derzeit bei weit über
100, weitere 150 Menschen wurden schwer verletzt in die umliegenden
Krankenhäuser eingeliefert….

<p“>So oder so ähnlich hätten die Schlagzeilen der Titelblätter die nächsten Tage lauten können… wenn? Tja … Wenn das Wörtchen wenn nicht wär.

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Wie die Feuerseelen das betrunkene Haus rockten

Fast nackte Frauen die auf den Tischen tanzen, mit nichts weiter bekleidet als einem offenem roten Mantel. Das hatte der Abend mit Feuerseele im betrunkenen Haus leider nicht zu bieten. Trotzdem lohnte sich der gestrige Abend, als die Band Feuerseele in Konzert im blauen Haus gab.

Wer Feuerseele nicht kennt, braucht sich noch nicht zu grämen, sollte sich aber dringend mit ihr beschäftigen. Jedenfalls, wenn man auf Bands wie Schandmaul, Nachtgeschrei oder Schelmish steht – Mittelalter-Rock eben. Noch stehen die Jungs am Anfang aber da ist reichlich Potential vorhanden. Und immerhin stehen sie schon bald im Studio um ihr Debüt-Album aufzunehmen.

Der Laden in dem das ganze stattfand könnte man als kuschelig bezeichnen, ist er doch kaum größer als der begehbare Kleiderschrank der heutigen Frau von Welt. Die Akustik darin als grenzwertig zu beschreiben, wäre vermutlich optimistisch (am Ende des kleinen Raumes war der Sänger fast nicht mehr zu verstehen) aber direkt vor der Bühne war es in Ordnung und wo will man bei einem Rock-Konzert auch sonst stehen?

Letztlich ist es ja auch die Performance der Band, die über einen lohnenden oder weniger lohnenswerten Abend entscheidet. Hier gab es nichts zu meckern.
Die Setlist kann man wohl als Experiment bezeichnen. Es wurden hauptsächlich Tracks vom kommenden Debüt-Album performed, um zu testen wie es ankommt. Da waren ein paar Lieder dabei, die ich noch nicht kannte
und was soll ich sagen: Kann was!
Die Highlights des Abends waren (für mich) eine leicht veränderte Form von Hetzjagd, in der es „Ho Ho Ho“ statt „Hey Hey Hey“ hieß, und ein kurzes Wunschkonzert, als die Band auf mein scherzhaftes Zurufen „Fangt doch einfach zu Covern an“ (gegen Ende der Setlist) mal eben „Schrei nach Liebe“ performte.
Ansonsten: Nichts zu meckern, der Auftritt hat gerocked und ich wünsche den Jungs Glück, dass sich nach den Studio-Aufnahmen nächstes Jahr ein Label findet.
Ich empfehle mal im Youtube-Kanal der Band vorbei zu schauen.

Rache ist süss

Kinder können grausam sein.
In meiner Schulzeit kannte ich die Bedeutung dieser Worte ganz genau. Denn auch, wenn sich das Klima an den Schulen heutzutage noch verschlechtert haben soll, so gab es auch zu meiner Schulzeit schon einzelne Personen, denen die zweifelhafte Ehre zu Teil wurde, das Mobbing-Opfer seiner Mitschüler zu werden. Ich hatte die Dynamik, die bei sowas entsteht, schon früh bei anderen Mitschülern gesehen, war selbst sicherlich auch kein Unschuldslamm, aber irgendwann geriet ich selbst in diese Rolle.

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Die Leute können lesen!

Fünfzehn Prozent auf alles! Für die meisten Menschen war das wie das Paradies, zumal so kurz vor der Weihnachtszeit.
Aber uns kam es vor, als gäbe es ein großes Geheimnis und niemand hätte uns Bescheid gesagt.

Es war vor wenigen Tagen, als wir bei HIT einkaufen wollten. Zunächst mal hatten wir keinen Parkplatz gefunden. Nach ein paar Runden über den Parkplatz

wurde dann doch einer frei. Wir steuerten darauf zu, merkten aber schnell, icht die einzigen zu sein, die den gesehen hatten.
Dann gaben wir entnervt unsere Korrektheit auf und belegten den Mutter-/Kind-Parkplatz daneben, der die ganze Zeit frei geblieben war.
Etwas verdutzt waren wir dann schon, als aus dem Auto, das uns gerade den Parkplatz weggeschnappt hatte, eine kleine Familie – Mutter, Vater, Kind – ausstieg.
Im Laden war es brechend voll. Doch wir dachten uns nichts dabei, denn in den letzten Wochen war es einfach unmöglich eine geeignete Zeit zu finden, zu der man einkaufen kann.
Wir brauchten nicht viel und so huschten wir durch den Laden, griffen in der Tiefkühlabteilung beherzt nach zwei Flammkuchen, sahen noch kurz bei den Büroartikeln vorbei und begaben
uns dann zur Kasse.

Dort erwartete uns eine Überraschung: Alle Kassen waren offen.

Einen kurzen Moment fragte ich mich, ob heute der Tag gekommen wäre, an dem Weihnachten, Ostern und Neujahr zusammen gefallen waren. Denn bislang war ich der Auffassung auferlegen, der Tag, an dem bei HIT mal mehr als drei Kassen offen sind, müsste eben dieser sein.
Allerdings waren an jeder einzelnen Kasse Schlangen, die ein wenig an Aldi erinnerten, wenn es dort wieder mal das Mega-PC-Schnäppchen gab.
Sprich: Man stapelte sich fast.

Normalerweise würde der erfahrene HIT-Kunde bei langen Schlangen Ausschau nach den anderen Kassen halten, um anhand der Kassiererin und Länge der Schlange zu ermitteln, wo die strategisch sinnvollste Stelle wäre, um sich anzustellen. In diesem Fall erübrigte sich das aber. Die Leute standen alle mindestens bis zum Waschmittel-Regal, was bedeutet: Hier nicht anstellen.
Also einfach die erst beste Schlange nehmen und wundern.

Schließlich wird es Zeit unsere Verwirrung aufzulösen, also halb genervt, halb jovial und relativ laut die Frage in den Raum gestelllt: „Was ist hier los? Gibts hier was umsonst oder wie?“
Vor uns steht ein Paar mittleren Alters, er Blaumann, sie irgendwas Anderes. Er dreht sich zu uns rum und sagt:

„Die Leute können lesen! Hier gibts heute 15% auf alles außer den Rewe- und Ja-Artikeln. Und nur ab 19 Uhr, aber wir haben ja jetzt auch schon 19:30 Uhr.“
In dem Moment tausche ich ein Fragezeichen gegen ein Anderes. Denn nun frage ich mich nicht mehr, was hier los ist, sondern wo das angekündigt wurde.
Und ich überlege, ob wir nicht noch schnell ein paar Artikel erwerben sollten, die wir sowieso die nächsten Tage gekauft hätten und an denen wir jetzt ein wenig sparen könnten.
Machen wir natürlich auch, aber jetzt noch mal durch den Laden laufen und Großeinkauf? Nee, keine Lust. Also nur im Kleinen sparen.

Während wir dann noch so an der Kasse stehen, abwechselnd mal ich und und mal meine Freundin verschwinden um noch einen Sechser Wasser und ein paar Büroartikel zu holen, die wir eigentlich erst in den nächsten Tagen holen wollten, sagt der Blaumann vor mir immer wieder: „Die Leute können Lesen!“
Ich fange an mir zu überlegen, ob ich mir verschaukelt vorkommen soll oder doch lieber Mitleid mit dem Mann haben soll, der aufgrund der Rabattaktion offensichtlich seinen Verstand verloren zu haben scheint. Aber eigentlich frage ich mich viel mehr, ob das mit dem Rabatt eigentlich auch auf Zigaretten gilt.
„Nee, dürfen wir nicht, ist ja ein Einheitspreis, sonst wär das bei uns ja günstiger“, klärt mich die Kassiererin auf, als wir an der Reihe sind.

Auf dem Weg zum Auto betrachte ich dann den Kassenzettel und stelle zufrieden fest, dass wir knapp 5 Euro gespart haben. Dann sehen wir ein Schild, dass auf die Aktion hinweist. Warum war uns das die Tage zuvor entgangen? Stand das gestern schon da?
Darauf steht, dass der Laden an diesem Tag ausnahmsweise bis 22 Uhr offen hätte. Wir spielen mit dem Gedanken, doch noch mal Großeinkauf zu machen.
Aber dann wird uns klar, dass wir großteils die Artikel kaufen, die ohnehin nicht rabattiert sind, und so fahren wir einfach nach Hause.

Ihre Bahncard bitte…

Eigentlich müsste ich es ja gewohnt sein. Etwa alle ein bis zwei Monate fahre ich mit dem ICE. Meistens nach Berlin. Daher habe ich eine Bahncard. Normalerweise buche ich dann einfach online eine Fahrkarte, gebe an, dass ich über eine Bahncard verfüge und dass ich diese als ID-Karte nutzen möchte.
Dieses Mal hatte ich sie aber nicht dabei, da ich kurz vor dem EMS Dinge aus meinem Portemonnaie geräumt hatte, die ich nicht verlieren wollte und es dann vergessen habe wieder einzuräumen.

Ich befand mich also so im ICE zwischen Duisburg und Berlin, als die Kontrolleurin kam und nach den Fahrkarten fragte. Noch bevor sie mich fragen konnte, teilte ich ihr mit, dass es ein Problem gäbe. Das ich, allem Anschein nach, meine Bahncard vergessen hätte. Die Frau war nett, sie lächelte und sagte, ich solle doch noch mal mein Portemonnaie durchsuchen ob sie wirklich weg sei, denn sonst müsste sie mir ein wenig Geld abknöpfen. Das half aber nicht und als sie wieder kam, fragte ich sie, was sie denn jetzt an Geld von mir bräuchte. Während sie noch so überlegte, sagte ich ihr aber auch, dass ich im Internet ja über die Seiten der Bahn meine Bahncard Nummer nachsehen könne und ich ihr zumindest diese nennen könnte. Auf die Idee war ich kurz vor ihrer Rückkehr gekommen.
Sie setzte sich dann neben mich und ich zeigte ihr was man da alles sieht. Kartennummer, Gültigkeit und sogar den Zahlungsstatus. Da staunte sie nicht schlecht. Mehrfach sagte sie so etwas wie „Wow!“ oder „Da bin ich ja begeistert!“ oder „Ich wusste gar nicht, dass das geht“.
Dann sagte sie: „Ach wissen Sie was, ich weiß zwar nicht wie das meine Kollegen sehen, kann also nur für mich sprechen aber das begeistert mich jetzt so. Das reicht mir.“
Und das war es dann. Fahrkarte kontrolliert, nichts zusätzlich bezahlt. Schön, wenn es auch mal so unbürokratisch gehen kann.

Sie meinte dann noch, sie würde das mit ihrer Ablöse besprechen. Zwar wüsste sie nicht, ob sie das auch so sieht, aber sie würde ihr das zumindest sagen. Die Ablöse kam dann irgendwann und wollte die Bahncard gar nicht sehen.

Für die Rückfahrt hatte ich mir eine Kopie meiner Bahncard per Fax schicken lassen. Als dann die Kontrolleurin kam, sagte ich auch dieser, dass es ein Problem gäbe, erklärte es ihr und gab ihr die Kopie. Sie guckte erst die Kopie und dann mich mich an. Etwas böse oder streng. Also sagte ich „Ja, dass man das Bild kaum erkennen kann, ist mir auch schon aufgefallen.“. Daraufhin deutete sie ein Nicken an und meinte man könne ja zumindest den Namen sehen, bat mich um meinen Personalausweis und als sie diesen geprüft hatte, gab sie mir alles zurück. Fertig. Auch dieses Mal wollte die Ablöse die Bahncard gar nicht sehen.

Da hatte ich wohl noch mal Schwein gehabt.

EMSig gefeiert – Ein paar Eindrücke von einem frei laufenden Hahn

Was kommt dabei rum, wenn man Eier mit Speck zum Frühstück mit einem bunten Mix an Musik kombiniert? Das Eier mit Speck-Festival.

Im Jahr 2010 war ich das erste Mal auf jenem Festival, das von seinen Machern auf den Namen „Eier mit Speck“ getauft wurde. Es findet bei mir um die Ecke statt und ist vergleichsweise günstig, zumindest wenn man es mit Festivalgrößen wie dem Rock am Ring vergleicht, das ungefähr das Fünffache kostet. Kurzum: Zwei Gründe um nicht lange zu zögern und hinzufahren.

Pfeiff doch drauf, dass ich die meisten der Bands („Hasenscheiße“, „Kontrust“, etc.) nicht kannte. Zur Not bleibt ja noch das Flair auf dem Campingplatz.
Entsprechend erwartete ich wenig. Am ersten Abend war ich sogar schlecht gelaunt. Auch wenn die Gründe hierfür wie in endloser Ferne erscheinen: Damals war es eben so. Aber erstens kommt es anders und zweitens als man denkt. Das Wochenende entwickelte sich prächtig. Ich lernte meine heutige Freundin kennen, die Bands waren teilweise sehr mitreißend und die Stimmung war nur mit einem Wort zu beschreiben: Grandios – oder vielleicht: familiär.
Und so entschied ich mich frühzeitig, dieses Jahr wieder dort hin zu fahren. Als der Vorverkauf im Dezember startete reagierte ich schnell und ergatterte die Karte mit der Nummer 77.
Dieses Jahr reise ich folglich mit größeren Erwartungen an – ud viel mehr Gepäck. Waren es im letzten Jahr noch ein Rucksack, ein paar Lebensmittel, Bambusmatte, Zelt und Schlafsack, so kamen in diesem Jahr noch ein Grill samt Zubehör, ein Sechser Wasser, eine Kühlbox aus Styropor, eine aufblasbare Luftmatratze, ein Pavillon, Campingstühle, eine Kühltasche und große Mengen Eis dazu. Und natürlich die Sachen meiner Freundin. Dazu gibt es nicht viel zu sagen, außer: Im Vorjahr reiste ich im Taxi an, dieses Jahr mit dem eigenen Auto, vollgeladen bis unter die Decke.
Und natürlich war dieses Festival für mich und meine Freundin recht bedeutungsschwanger. Immerhin konnten wir hier unser einjähriges Kennenlernen feiern (wenn man auch ehrlicherweise sagen muss, dass unser Einjähriges an diesem Wochenende streng genommen schon wieder eine Woche her war 😉 )

Am Donnerstag kamen wir also um halb zwei am Gelände an. Der Campingplatz sollte um 15 Uhr öffnen aber wie das so ist: An sowas hält sich natürlich keiner. Beim Versuch einen Platz für uns und die Zelte unser später anreisenden Freunde zu sichern, begegneten wir dann flott einem Security, der aber durchaus einen Vorgeschmack darauf zeigte, was wir am Wochenende merken würden. Nämlich, dass der Umgang mit Security-Leuten sehr entspannt und freundlich sein kann, anders wie man das von vielen Konzerten und anderen Festivals gewohnt ist. Letztlich gaben wir große Teile der reservierten Fläche ab, brachten aber trotzdem unsere ganze Gruppe (immerhin 6 Zelte und ein Pavillon) unter.
Der Wahl der Fläche erwies sich im Nachhinein als zweischneidiges Schwert. Wir waren sehr weit vorne, was natürlich in den Nächten ziemlich laut war. Dafür hatten wir sehr kurze Wege zum Festivalgelände und zum Partyzelt für die After Hour. Und außerdem lernten wir wirklich coole Leute kennen.

Das Campen hat natürlich wieder eine Menge Eindrücke hinterlassen. Deren nachträgliche Rekonstruktion fällt teilweise schwer. Was man jedoch sagen kann: Das Treiben bei so einem Festival lässt ebenso die menschlichen Abgründe erahnen (ich sag nur: Dixieklo!), wie es feststellen lässt, wie leicht Menschen zueinander finden, um gemeinsam friedlich und ausgelassen  zu feiern. Ein paar Highlights waren sicher dabei, wie das gemeinsame Grillen mit Leuten, die wir bis dahin nicht kannten und die illustren Runden mit eben jenen Typen.
Vieles wäre für Außenstehende sicherlich auch nicht verständlich. Tatsächlich wäre es vermutlich nicht mal für die Dabeigewesenen verständlich, wenn sie eben nicht dabei gewesen wären.
Als einer der Typen etwa auf Zuruf sein Gemächt zur Schau stellte und sich dabei fotografieren ließ. Situationskomik. Der selbe Typ ließ öfter mal Sachen fallen. So lernten wir ihn ja auch gewissermaßen kennen, als er auf dem Zeltplatz ankam und erstmal einen Haufen Grillkohle und Bier vor unseren Füßen verteilte.
Ja sogar das ständige Ringen um die begehrten Campingstühle, war letztlich doch ab und an recht amüsant bzw. führte zu amüsanten Situationen, obwohl das nicht immer von Allen als lustig empfunden wurde.
Oh ein Highlight wäre da natürlich noch zu nennen, auch wenn ich es nicht unbedingt als Solches empfunden habe, weil ich mich nicht unbedingt als Fan bezeichnen könnte: Der Sänger von einer der Bands (motorjesus) war bei uns am Campingplatz (weil eine Freundin von uns ihn aus dem Job kannte) und unterhielt sich mit uns, verteilte Autogramme etc.

Das Festival selbst, von der Musikauswahl her,  war dieses Jahr so la la. Eindruck haben bei mir hier vor allem Phrasenmäher und Selig hinterlassen. Wobei das auch Bands waren, die ich im Vorfeld schon kannte bzw. kennengelernt habe und dementsprechend nicht sehr überrascht war. Andere Bands fand ich teilweise ganz cool ich bin nur nicht sicher ob der Eindruck reichte um sie im Nachhinein noch mal zu hören.
Dennoch: Wenn eine Masse von Menschen vor einer Festivalbühne sitzt und mit Jan Plewka zusammen „Ohne dich“ trällert, ist das schon ein Erlebnis, an das man sich noch lange erinnern wird.

Und letztlich kommt ein Festival natürlich nicht ohne Kritikpunkte aus. So wurde dieses Jahr ein Müllpfand eingeführt was an und für sich ja nicht verwundert. Man hätte aber mehr Feingefühl beweisen können, als man es so regelte, dass jeder Besucher einen großen Sack bekam und sein Pfand nur zurück bekam, wenn er wirklich voll war. Praktisch wurde man also genötigt den Müll anderer Leute einzusammeln, wenn man selbst nicht viel Müll gemacht hat. Bestand der Müll hauptsächlich aus Dosen bestand, musste man sich fragen, ob es überhaupt Sinn macht sich das Pfand zurück zu holen oder ob man nicht besser fährt, wenn man die Dosen einfach beim Händler des Vertrauens gegen das Dosenpfand eingetauscht hätte.

Ansonsten waren es vermehrt Kleinigkeiten, wie Probleme mit der Parkplatzsituation, die nur einmal am Tag gereinigten Dixie-Klos (was bei knapp 4000 Menschen einfach zu wenig ist), ein schlecht organisiertes Merchandising wo man schon am Samstag kaum noch bekam, was man wollte.

Ein einziger Umstand brachte dann (bei mir) aber das Fass zum Überlaufen und versaute mir dann doch ein bisschen die Laune: Am Tag der Rückreise schleppten wir unser Zeug zur Schleuse am Parkplatz, weil wir davon ausgingen, dass die Info die dort an einem Schild hing, nämlich, dass diese Schleuse zwischen 14 und 22 Uhr geöffnet sei, auch richtig sei. Das war sie aber nicht. Irgendwann zwischendurch hatte man die Schleuse geschlossen und der Chef der Security entschied, dass man daran auch nichts mehr ändern würde. Stattdessen riss ein Security dann nach unserer (freundlichen) Beschwerde das Schild ab, bewachte fortan die geschlossene Schleuse und verwies uns auf die Löcher unterm Zaun, statt uns rein zu lassen.
Da kann man nur sagen: „Danke“ für diese Verlässlichkeit.
Als zahlender Besucher hätte man sich da natürlich was Anderes gewünscht.

Dennoch muss man außer diesem und einem anderen kleinen Faux Pas auch sagen, dass die Security dieses Jahr einen großartigen Job gemacht hat. Zumindest aus Sicht eines Besuchers, der sich vor allem eins wünscht: Security die einem nicht die gute Laune verderben. Das taten sie nicht, sie waren überwiegend nett und freundlich. Keine Spur von pampigen Security-Allüren, die man sonst so kennt (außer einer Frau, die bei der Handtaschenkontrolle meiner Freundin eine leere Trinkspritze (diese Dinger, die man bei real kaufen kann: Plastikspritzen mit alkoholischen Getränken dr
in) fand und auf die Info hin, dass da nur was zu Trinken drin gewesen ist, ziemlich pampig reagierte und vermutlich sehr genau nach, der, ihrer Meinung nach zugehörigen, Nadel suchte. Ist ja auch totaaaal klar, dass wenn man sich auf dem Festival irgendwas spritzen würde, dass man die leere Spritze dann in der Handtasche mit aufs Festivalgelände nimmt…).

Nichts desto trotz hat sich das Wochenende im Großen und Ganzen gelohnt, auch wenn es letztes Jahr einfach besser war. Ob es dort nächstes Jahr wieder hin geht, bleibt abzuwarten. Hängt sicherlich sehr stark davon ab, ob es das Festival nächstes Jahr noch gibt (die Ansage zur letzten Band vermittelte den Eindruck, die Zukunft des EMS könnte noch in den Sternen liegen) und ob eine Veränderung an der Organisation erkennbar ist, die halt einfach stellenweise zu Wünschen übrig ließ.

Das hat die Kollegin schon gesehen..

Wer häufiger Bahn fährt, kennt das leidliche Spiel: Auf einer Strecke von fünf Stunden Fahrt, erfolgt mindestens einmal ein Personalwechsel. Und wie das so ist: Der ist mit einer erneuten Fahrscheinkontrolle verbunden.
Es nervt, natürlich. Aber objektiv betrachtet: Was sollen sie denn machen?

Gerade war es mal wieder so weit. Mich nervt es natürlich auch, aber ich ertrage es still, weil es einfach keinen Sinn macht zu motzen. Und völlig unnötig ist. Zumal es so einfach schneller geht.
Lächeln, Fahrschein zeigen, fertig. 5-10 Sekunden Unterbrechung von Tätigkeiten, die man die letzten 2,5 Stunden schon rotierend tätigt.

Gegenüber aber sitzt ein Typ. Von der wichtigen Sorte. Anzug, Brille, natürlich am telefonieren. Klang er eben am Telefon noch total gelassen und fröhlich, veränderte sich seine Stimme plötzlich, als der Kontrolleur bei ihm ankam. „Das hat ihre Kollegin doch schon gesehen“, meint er. Der Blick ist dabei vom Kontrolleur weg gerichtet. So als ob der Kontrolleur noch nicht mal eines Blickes würdig ist. Die Stimme: Kontrolliert unfreundlich. Ein Hauch von Stress.
Dann telefoniert er weiter, während der Kontrolleur (übrigens einer von der freundlichen Sorte, was ja bei der Bahn nicht selbstverständlich ist) das Ticket prüft und sich dann völlig unbeeindruckt zeigt und höflich nach der Bahncard fragt.
„Die auch noch!“ ist die patzige Antwort.

Ich kann mich in diesem Moment eines Lächeln nicht verwehren. Meine Bahncard wollte der Kontrolleur nicht sehen. Woran das wohl liegen mag?

Das Verhalten des Wichtigen ist interessant. Betont auffällig greift er das Portemonnaie, greift ebenso betont hastig nach einem Stapel Karten, sucht die Bahncard raus, hält sie kurz hin und nimmt sie ebenso schnell wieder zurück. Untermalt die ganze Aktion, die offensichtlicher seine Verärgerung nicht betonen könnte, noch mit einem „Ok jetzt?“ und klatscht dann die Bahncard feste auf den Stapel um den Stapel dann in sein Portemonnaie zu stecken.
Der Kontrolleur antwortet nicht. Warum sollte er auch? Von Freundlichkeit und Höflichkeit hatte er ja nicht viel. Und eben die hat er ja auch nicht erhalten. Er geht einfach weiter.

Als der Wichtige dann in hoch empörten Ton ein „Gern geschehen!“ hinterher raunt, so als wollte er sich darüber mokieren, dass der Schaffner so unhöflich war, sich nicht einmal zu bedanken, denk ich mir nur so: Man erntet was man sät.