Die hässliche alte 30

Ein paar Geburtstage im Leben eines Menschen werden mehr gefürchtet als andere. Der 30. Geburtstag gehört nicht nur dazu, für Viele ist es der Inbegriff eines gefürchteten Geburtstags. Als frisch gebackener 30er plaudere ich aus dem Nähkästchen.

Das laue Leben ist vorbei, Schluss mit Lustig: Eine zentrale These beim 30 werden ist, dass man plötzlich weniger Spaß im Leben hat. Ja fast sogar weniger Spaß haben will. Wenn deine Freunde zum Beispiel rausgehen wollen, lehnst du ab. Und wenn du doch mitgehst, ist es die Hölle. Du langweilst dich, weil der Altersschnitt gefühlt bei Anfang 20 liegst und weil du von lebensunerfahrenen Menschen umgeben bist, während du schon den ein oder anderen Löwen niedergerungen hast.

Die ersten grauen Haare zum Beispiel. Sie kamen über Nacht, praktisch überfielen sie dich, als du noch dabei warst den Kater deiner Geburtstagsfeier zu kurieren. Spätestens jetzt merkst du, dass deine Jugend endgültig vorbei ist. Du kannst nicht mehr so tun, als wärst du noch ein Teenager, ein großes Riesenbaby mit der Lizenz zum Autofahren. Denn sein wir mal ehrlich: Für erwachsene Babys im Freundeskreis hat eigentlich keiner mehr den Nerv.

Weil immer mehr deiner Freunde echte Babys bekommen. Jetzt ist das Kinderkriegen nicht mehr denen vorbehalten, die in einer Partynacht nicht richtig aufgepasst haben. In deinem Freundeskreis werden Wunschkinder zur Welt gebracht, als Resultat von immer festeren Beziehungen. Früher oder später, mit Kind oder ohne, kommt es auch immer öfter vor, dass deine Freunde ihre Beziehungen auf eine neue Ebene bringen und den Bund der Ehe eingehen. Und je nachdem, wo du in deinem gedanklichen Prozess, in deiner Auseinandersetzung mit dem Themenkomplex „Kinder kriegen und heiraten – oder nicht?“ gerade stehst, freust du dich nicht nur, du fragst dich auch, ob das für dich irgendwann mal eine Option sein könnte. Selbst dann, wenn du immer einen anderen Standpunkt vertreten hast.

Überhaupt: Du beginnst deine Standpunkte zu überdenken. Du denkst darüber nach, schlechte Angewohnheiten wie das Rauchen abzulegen und fragst dich, ob du nicht langsam etwas zum Ausgleich für das viele Sitzen in deinem Job machen solltest. Und du denkst über deine Ernährung nach. Vielleicht führt dich die Frage „Was hab ich erreicht?“ dazu, über deinen Stand im Leben nachzudenken, über das was dich stört, was du gut findest und wie du dich weiter entwickeln könntest. Womöglich fragst du dich, wie du dein Leben besser auf die Kette bekommst, deine Zeit besser einteilst, wie du mehr Zeit für deine Interessen bekommst. Womöglich versuchst du öfter im Voraus einzukaufen oder beschäftigst du dich mit Methoden zur Aufgabenverwaltung wie GTD oder, weil dir das schon früher zu kompliziert erschien, Zen to Done. Oder mit der Aneignung guter Gewohnheiten und neuen Erfahrungen.

Schluss mit lustig?

Von wegen. All diese Überlegungen stellst du ja nur aus einem Grund an: Du willst mehr von deinem Leben als Arbeiten, wilde Partynächte und wieder Arbeiten. Du willst effektiver sein, was erreichen und dabei dein Leben in vollen Zügen auskosten. Statt wilden Partynächten in der Disko planst du Urlaube, feierst Grillfeste in deinem Garten oder gehst mit Freunden essen. Du sammelst neue Erfahrungen, stellst alte Erfahrungen auf den Prüfstand und lernst dich dabei vielleicht besser kennen als in den ganzen Jahren zuvor. Womöglich kannst du dich sogar ein bisschen besser leiden.

Und ganz sicher geschieht nichts von all dem über Nacht.

Der Prozess hat weder kurz vor, noch an deinem 30. Geburtstag begonnen. Er lief schon immer. Und du gibst in vielen Punkten das Tempo vor. Der einzige Grund, warum du dir ausgerechnet kurz vor deinem 30. Geburtstag darüber Gedanken machst, ist der, dass alle Welt dir ständig erzählt, was für ein bedeutungsschwangerer Geburtstag das ist.

Insofern: Carpe diem. Auf die nächsten 30.

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