Wie der Amazon Kindle mein Leseverhalten veränderte

Amazon plant das Abholzen der Regenwälder zu verhindern. Zumindest aber eine Revolution, bei dem dies das Endergebnis sein könnte. So meine Vermutung, als ich von meinen ersten Erfahrungen mit dem Kindle berichtete. Damals war ich überrascht. Wie ist es heute? Wie steht es mit meinem Leseverhalten nach zwei Monaten mit dem Kindle? Voll digital oder doch der Griff zum Papier?


Erstaunlich. Seit ich den Kindle habe, habe ich zwei herausstechende Dinge festgestellt:

  1. Ich lese mehr als vor zwei Monaten.
  2. Ich lese fast ausschließlich auf dem Kindle
Was ist mit der Buchpreisbindung?
Wie schon mehrfach geäußert, stehe ich der Buchpreisbindung sehr skeptisch gegenüber – als Konsument. Denn eigentlich sehe ich nicht ein, für etwas, das ich nicht greifen kann, fast genauso viel zu zahlen, wie für ein schönes gedrucktes Buch.
Aber es geht ja eigentlich nicht um die Form. Nicht nur, jedenfalls. Man liest, weil man lesen will. Weil man in Gedanken erleben will, wie der Durchschnittstyp zum Helden wird – ob er am Ende scheitert oder siegreich vom Feld geht.
Die Frage ist also nicht: Wie viel bin ich bereit dafür zu zahlen, sondern was ist es mir wert, von einem Buch gut unterhalten zu werden?
Wenn ich ins Kino gehe, zahle ich um die 15 Euro für eine anderthalb stündige Vorstellung und viel Werbung, die ich nicht mal ungestört genießen kann. Für die meisten Romane zahl ich weniger. Und werde zumindest ein oder zwei Abende unterhalten. Ist es mir das wert?
Und andererseits: Was wäre ich bereit für ein Buch zu zahlen, das nicht durch Inhalt, sondern durch leere Seiten und einen schönen Einband besticht? Zehn Euro? Fünf Euro? Bestimmt nicht. Natürlich mag ich den Blick in mein Bücherregal immer noch – obwohl es überquillt. Es entscheidet aber nicht, wie ich mein Geld ausgebe.
Wie sieht es mit DRM und Co aus?
Ja. Das ist ein Problem, dem ich mich nicht verschließen kann. Ein Buch meist nicht verleihen zu können und eventuell sogar einfach weggenommen zu bekommen – das sind Gedanken, die mir missfallen. Doch das passiert ja normalerweise nicht. Und für meine eigene Unterhaltung ist es ohnehin egal, ob ich das Buch verleihen kann oder nicht.
Hat es sogar Vorteile E-Books zu lesen?
Ja! Nie konnte ich so schnell neuen Lesestoff bekommen, wenn mir der Alte ausgeht. Das ist einfach fantastisch. Man stelle sich nur mal vor, dass man abends um 22 Uhr ein Buch ausliest und nun unbedingt den Fortsetzungsroman lesen will. Klick. Buch ist da, weiterlesen.
Natürlich birgt das Risiken. Zum Beispiel könnte man den Blick fürs Geld verlieren. Wenn in der Mitte des Monats plötzlich das Geld fürs Butterbrot fehlt, nur weil in der virtuellen Kindle Bibliothek plötzlich zwanzig neue Bücher stehen, wäre das natürlich blöd.
Und der Kindle? Gibt es Negatives zu sagen?
Ja. In letzter Zeit habe ich einige Sachbücher gelesen. Dabei möchte ich Passagen markieren können. Das geht mit dem 5-Wege-Joystick, macht aber keinen Spaß. Dabei vermisse ich einfach den Textmarker. Vielleicht schafft ein Kindle Touch mit einem Eingabestift da Abhilfe, aber beides habe ich nicht.
Was die Akkulaufzeit angeht: Nichts zu meckern. Mit eingeschaltetem WLAN sind locker drei Wochen drin. Dann kommt eine Warnung und man kann das WLAN ausschalten und noch einige Zeit weiterlesen. Leer war mein Kindle bisher noch nie.
Und der Kontrast ist definitiv mit einem richtigen Buch vergleichbar. Einziges Manko: Bei sehr direktem Lichteinfall auf das Display gibt es doch leichte Reflexionen. Das stört, kam bei mir aber nur einmal vor. Dann habe ich den Kindle leicht geneigt und alles war wieder in Butter.
Letztlich habe ich seit zwei Monaten kein gedrucktes Buch mehr gelesen. Hier liegen noch ein paar, die ich lesen will. Mal sehen wann ich das tue.

Wie steht es mit euch? Habt ihr schon den Kindle oder einen anderen Reader ausprobiert? Greift ihr immer noch lieber zum analogen Buch? Reader und Bücher zu teuer? Oder ist euch das alles egal?

2 Gedanken zu „Wie der Amazon Kindle mein Leseverhalten veränderte“

  1. Finde deine Analyse zutreffend. Ich lese auch wesentlich mehr, seit ich einen Kindle in der Jackentasche spazieren führe. Und aus der Sicht des E-Book-Autors darf ich vielleicht noch ergänzen: Ich verkaufe auch wesentlich mehr Bücher seitdem es den Kindle gibt.

  2. Ah, das mit dem Buchverkauf ist interessant, denn ich war mir nicht sicher, ob ich da nur Teil einer *kleinen* Gruppe von Buchlesern bin.
    Kann man (so aus Interesse) mal nach Zahlen in Prozent fragen?

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