Freundschaften

Freundschaften muss man pflegen. Der Spruch ist so ausgelutscht, dass ich ihn eigentlich gar nicht schreiben mag, zumal es klingt als wäre eine Freundschaft ein Greis, der seine letzten Jahre im Altersheim verbringt. Und doch ist was Wahres dran.

Manche meiner Freundschaften haben nicht lange gehalten. Doch eine Freundschaft sehr wohl, obwohl es von außen betrachtet nicht immer so aussieht, als würden wir viel für die Pflege tun.
Unser Kontakt ist selten geworden. Schließlich hat sich die Uhr weiter gedreht. Ich bin nach Mönchengladbach gezogen, sie hat ihren Lebensmittelpunkt nach Heidelberg verlagert. Man könne meinen, es strafe den eingangs erwähnten Spruch Lügen. Das ist falsch.
Man darf sich eine Freundschaft eben nicht als alten Greis vorstellen, nur weil man von Freundschaftspflege spricht. Um den muss man sich nämlich täglich kümmern. Man tauscht Bettpfannen, bringt das Frühstücksei aufs Zimmer und erinnert an die Einnahme von Medikamenten.
Bei Freundschaften geht es aber gar nicht um Bettpfannen oder Frühstückseier. Es geht darum, den Menschen in Gedanken zu halten, ihm zuzuhören, wenn er es braucht und ihm zu helfen, wenn es nötig ist. Natürlich sollte man ihm aber auch ab und zu zeigen, dass man noch da ist – ein Lebenszeichen senden. Ein Anruf zum Geburtstag, vielleicht eine SMS zu Weihnachten – das kann schon genug sein.
Vorallem geht es bei einer Freundschaft aber darum, seinen Freund zu verstehen. Hören was er sagt allein ist einfach nicht genug. Man muss auch verstehen, was er sagt. Und manchmal muss man sich dann auch im Hintergrund halten. Dem Menschen seine fünf oder zehn Minuten Ruhe gönnen.
Auch muss man gelegentlich darüber nachdenken, ob man das eventuell mal versäumt hat. Man muss sein Verhalten manchmal vor den Spiegel stellen, im übertragenen Sinne, und es reflektieren. Manchmal ist es nämlich auch angebracht sich zu entschuldigen, auch wenn nichts den Anschein macht, als gäbe es einen Grund dazu.
Einfach nur, weil man einmal etwas nicht verstanden hat.

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