Wie kann sich das Buch noch behaupten?

Das Buch ist nicht mehr der Fels in der Brandung, der es mal war. Zumindest nicht in der Form, wie wir sie seit Johannes Gutenbergs Erfindung kennen. Dieser Form wird aber oft eine hohe Bedeutung beigemessen. Manche sagen sogar, sie würde zu etwas Höherem verklärt, das sie nicht ist. Man kann das so sehen. Aber man sollte dabei auch bedenken, dass diese Techniken der Wegbereiter für Ereignisse von historischer Bedeutung waren. Erst durch den professionellen Buchdruck wurden die Reformation und später die Aufklärung möglich. Doch wie stellt sich die Situation heute da? Und: Wie geht man damit um?


Auch losgelöst von der Form hat es Schwierigkeiten. Schon 2008 wurde in einer Studie festgestellt, dass nur noch jeder vierte Bundesbürger Bücher zur Hand nimmt. Und wenn man sich heutzutage auf einem Schulhof umsieht bzw. besser umhört, wird man sicherlich eine entsprechende Tendenz erkennen. Verwunderlich ist das indes nicht.

Wir haben in den vergangenen Jahrzehnten erlebt, wie das Internet, wie Nachrichtenseiten und Blogs, Facebook und Twitter, immer selbstverständlicher in unserem Leben wurden. Natürlich auch im Leben der Heranwachsenden. Für die derzeit Schulpflichtigen noch mehr, als für meine Generation. An anderer Stelle hat jemand gesagt, dass das Medium im Wandel stünde. Der Inhalt würde immer wichtiger, während das Medium immer unwichtiger würde. Da ist bestimmt was dran. Auch wenn es für Nostalgiker schade ist. Denn ich bin mit gedruckten Büchern aufgewachsen und schätze sie sehr. Sowohl inhaltlich als auch in ihrer Form.

Manche Menschen sagen, dass sich Geschichte nicht wiederholt. In manchen Bereichen stimmt das aber nicht. Denn der Buchbranche ergeht es jetzt ähnlich, wie einst der Musikbranche. Nur eben, dass ihre Ausgangssituation vielleicht ein wenig schlechter ist. Denn auch wenn es vielfach behauptet wird: Digitale Musik hat zwar einen sehr hohen Stellenwert eingenommen, aber es hat noch längst nicht die klassischen Medien verdrängt. Und Musik an sich ist aus den Köpfen der Menschen, insbesondere auch derer der Jüngeren, gar nicht wegzudenken. Wie eingangs erwähnt, scheint es sich bei Büchern aber anders zu verhalten. Kein Wunder also, dass in der Buchbranche gejammert wird, was das Zeug hält.

Auch das sollte man bedenken, wenn man selbst darüber jammert, dass die Branche noch immer nicht so recht in eBooks zu machen scheint, nicht mit der Zeit geht und so weiter. Andererseits ist es aber eben auch irgendwie bezeichnend, wenn die Argumentation und die Forderungen die Gleichen sind, wie die der Musikbranche. Statt sich Gedanken zu machen, wie man sich mit den Veränderungen trotzdem noch behaupten kann, wird der Schutz von der Politik gefordert. Schutz vor allem, was irgendwie bedrohlich ist, aber auch irgendwie neu. Vor Raubkopien zum Beispiel. Das ist ja ein Thema, das für die Buchbranche eher neu ist, weil es erst mit dem Trend zu eBooks richtig interessant wird. Oder der Schutz der Buchpreisbindung, wo zum Beispiel in der Schweiz über die Wiedereinführung per Gesetz abgestimmt wird.

Apropos Buchpreisbindung: Ich tu mich hier ja immer schwer, eine eindeutige Meinung zu haben. Als Konsument seh ich sie kritisch. Aber als Buch-Fan und als jemand, der versucht das große Ganze zu sehen, weiß ich nicht, wie die Welt gänzlich ohne aussähe. Das geht so weit, dass ich versuche die Argumente pro Buchpreisbindung zu verstehen und an anderer Stelle sogar schon verteidigt habe.

Es ist eben auch ein Stück Kultur: Die kleinen Buchläden, die Buchabteilungen in den Bahnhof-Kiosken, Büchereien, das Schmökern um eine Kaufentscheidung zu treffen. Insofern würde ich mir persönlich wünschen, dass man das erhalten kann. Trotz eBooks, falls sie denn wirklich langsam die Wichtigkeit erlangen, die man ihnen schon oft vorausgesagt hat, die sie aber bislang nicht erreicht haben.

Die Gegner der Buchpreisbindung führen ja immer an, dass die Branche sich dem Fortschritt stellen muss. Ihr bester Vorschlag ist dann meistens: eine ansprechende Webseite. So einfach ist es aber nicht. Denn mal alle Bedenken, was dann mit den Buchläden passiert, zur Seite: Wie sollen „die Kleinen“ der Branche hier Fuß fassen, neben Riesen wie Amazon? Außerdem kann ich mir irgendwie nicht so recht vorstellen, wie diese Seite aussehen könnte. Ich bin Amazon-Stammkunde aber Bücher erwerb ich darüber fast ausschließlich nur dann, wenn es sich um Fachbücher handelt. Denn irgendwie taugt es (für mich) nicht, um neue interessante Titel zu finden. Und wenn schon Amazon das nicht auf die Kette bekommt – wer sonst?

Es ist aber Tatsache, dass sich die Buchbranche Gedanken machen muss – wo sie in den nächsten Jahren stehen will und welchen Stellenwert sie noch haben will in einer immer digitaleren Welt. Und natürlich muss sie sich auch Gedanken darüber machen, wie sie den Heranwachsenden ihr Medium näher bringen kann. Dafür muss sie natürlich auch in eBooks investieren, auch wenn sie das alles noch sehr skeptisch sieht. Es liegt auf der Hand, hier Kaufanreize zu erschaffen. Da erscheint es logisch, es wie Johnny Häusler in einem Interview (via: Spreeblick) zu sehen und von den Handy-Apps zu lernen.

Was ich persönlich gut fände: Ein Buchladen der es schafft, die zwei Welten digitaler und analoger Bücher, zu verbinden. Vielleicht indem man entsprechender Reader bereit stellt, um auch im Laden in eBooks reinschnuppern zu können, aber weiterhin mit Personal, das selbst liest und daher auch beraten kann. Wie genau das aussehen kann, weiß ich selbst noch nicht. Und wie es letztlich irgendwann aussieht? Ich bin gespannt.

4 Gedanken zu „Wie kann sich das Buch noch behaupten?“

  1. Im Prinzip: Klar. Ich kann mir nur halt nicht vorstellen, wie das aussehen mag. Für mich ist es halt schon was anderes, ob ich in einen Buchladen gehe, hier und dort in Büchern schmökere, mich eventuell in Persona beraten lasse und dann am Schluss mit ein, zwei oder drei Büchern aus dem Laden gehe, als im Internet. Die bisherigen Angebote sind auf jeden Fall nicht annähernd vergleichbar, meiner Meinung nach.

  2. Ich bin auch eher der physische Typ, zumindest bei Büchern. (In Sachen Elektronik etwa suche ich keine Beratung.) Ich war letztens in einem eher größeren Buchladen, er gehörte zu einer bekannten Kette und dort suchte ich nach einem Buch, das nicht auf Lager war. Die Frau bot mir dann an, dass ich es mir als eBook kaufen könne, dann wäre es so gleich da. Ich bräuchte allerdings vorher einen Reader dazu. (Was nicht ganz so stimmt.)
    Was ich aber eigentlich sagen wollte, sind folgende zwei Punkte:
    Bevor eBooks wirklich dominant werden, muss sich ein Format durchsetzen. Zur Zeit ist das so ein Wirrwarr, das ein Käufer kaum begreifen kann. Wenn ich mir den Kindle kaufe, kann ich bestimmte Formate nicht lesen und wenn ich mir den Nook kaufe, kann ich zum Beispiel keine amazon-Bücher lesen. Hieß digital nicht immer und überall verfügbar? Amazon verdient nicht mit dem Verkauf der Geräte, sondern mit den Büchern. Ich hoffe, dass ich im Recht bin, wenn ich sage, dass sich die Geräte früher oder später öffnen werden und sich irgendein Format durchsetzen wird wie damals VHS, MP3 oder was auch immer.
    Zum kleinen Buchladen im Internet. Natürlich würde so etwas niemals einen echten Buchladen ersetzen können. Das muss es auch gar nicht, es könnte aber eine Art digitale Version dessen sein und vor allem würde es meiner Meinung nach sogar ein Publikum finden. Ich glaube, das Internet ist kein Platz, an dem nur amazon und libri existieren müssen. Gerade hier könnte es durchaus möglich sein, kleine Läden zu etablieren. Die Beratung würde natürlich anders verlaufen. Vielleicht hätte so ein kleiner Laden ein Blog mit Empfehlungen und Rezensionen, man wüsste genau, welche Personen dahinter stecken. Als potentieller Kunde sucht man im Onlineshop und kann zu bestimmten Zeiten einen Livechat mit starten. Nun ja, ich denke nur laut, beim Schreiben finde ich ein paar dieser Ideen sogar gut, andere eher dürftig.

  3. Ich glaube nicht mal, dass sich zwingend ein Format durchsetzen muss. Was entscheidend ist, dass es eine Hand voll gängiger Formate gibt, die alle Reader unterstützen. So ist es bei digitaler Musik ja auch: Überwiegend ist es MP3, aber je nach Shop kannst du auch Vorbis, AAC und wie sie alle heißen kaufen. Die Player können das aber eben.
    Das mit dem Live-Chat wurde in einem anderen Blog übrigens auch schon vorgeschlagen. Mit der zeitlichen Einschränkung, die ich aus deiner Idee herauslese, kann das sogar unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten klappen. Ich weiß nur nicht, ob das die selbe Akzeptanz erreicht, wie richtige Beratung im Laden. Im Internet sind Öffnungszeiten ja eher etwas, dass man belächelt.

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