Und dann stand da die alte Frau mit der Schrotflinte

Auf der Suche nach Lesestoff für meinen Kindle, sah ich mich erst mal bei den 99ct Büchern im Kindle-Shop um. Dort fand ich eine Horror-Story, die eigentlich eine Abhandlung über Allegorien hätte werden sollen. Und dann stand da auf einmal die alte Frau mit der Schrotflinte…


Nummer 1 in den Amazon-Horror-Charts!

Die Kurzbeschreibung zu „Der Keller“ von Daniel Dersch klang ja zunächst mal ganz gut:

Seit Jahren sehnen sich Roger Bonfield und seine Frau Linda nach einem schönen Eigenheim. Als sich ihnen die Chance bietet, kaufen sie sich ein altes Herrenhaus am Rande einer Kleinstadt. Die ländliche Idylle und die Vorzüge des Hauses sorgen schnell dafür, dass die junge Familie in ihrem neuen Glück schwelgt. Doch es dauert nicht lange bis die Freude getrübt wird. Nächtliche Geräusche reißen die Bewohner aus dem Schlaf und im Keller gehen eigenartige Dinge vor sich. Bereits nach kurzer Zeit merkt Roger Bonfield, dass seine Familie in den alten Gemäuern nicht mehr sicher ist!

Hätte ich mir doch bloß mal die Bewertungen durchgelesen…

Zur Story
Die Story beginnt lang und ausschweifend mit der Einführung der Charaktere, ihrem Einzug in das neue Haus und ihrer Motivation dafür. Den Beschreibungen kann man gut folgen, man kann sich in die Lage des Protagonisten versetzen, doch man fragt sich schnell: Wird es hier auch noch spannend?
Der Handlungsverlauf entwickelt sich sehr schleppend und wenn mal Spannungsspitzen erreicht werden, dann nur, um die Spannung auch gleich wieder auf Talfahrt zu schicken. Dann muss man nämlich eher mit der Versuchung kämpfen, das Lesen des Buches nicht aus Langeweile abzubrechen. Zum Beispiel, wenn die alte Frau über mehrere Seiten lang über die Vergangenheit schwadroniert, was keineswegs zur Spannung beiträgt und ferner nicht authentisch wirkt.
Die Handlung an sich ist sehr voraussehbar, was dem Autor wohl auch irgendwann klar wurde, weswegen die Story mit einer völlig unerwarteten Szene endet, die ebenso unglaubwürdig wie unpassend ist.
Zum Stil
Das Schlimmste an diesem Buch ist jedoch der Stil. In gefühlt jedem dritten bis vierten Satz wird in die Vergleiche-Kiste gegriffen. Was dabei dann teilweise rauskommt, hilft nicht, sich das Setting besser vorstellen zu können, sondern lenkt ab, weil es am Anfang vielleicht noch ganz witzig, spätestens ab der Hälfte des Buches jedoch einfach nur noch lästig ist.
Hinzu kommen unzählige Fehler, wie doppelte Wörter, ausgelassene Wörter oder einmal sogar eine Stelle in der dem Protagonisten plötzlich ein anderer Name gegeben wird.
Fazit
Kurz und knapp: Nicht kaufen! Das Buch taugt höchstens als kurzweilige Unterhaltung, wenn man vom Allegorien-Fetisch des Autors nicht zu sehr abgestoßen wird.
Wirkliche Gruselstimmung sollte man dabei jedoch nicht erwarten.

2 Gedanken zu „Und dann stand da die alte Frau mit der Schrotflinte“

  1. Ich kann mir schon vorstellen, dass man sehr viele sehr schlechte Bücher finden wird. Zum Glück gibt es ja Bewertungen. Ich kenne selbst ein paar Leute die ebooks so veröffentlicht haben bzw. es mit selbst verlegen versucht haben. Nichts davon gut aber was solls. Wenn es Leute zum Schreiben bringt wird auch was dabei sein, was lesbar wird.

  2. Dem wird wohl so sein. Immerhin, bei 99 Cent ist das auch nicht all zu schmerzhaft. Insgesamt finde ich es aber tatsächlich gut, wenn es die Leute zum Schreiben bringt. Ich denke nämlich, dass das klassische Verlagswesen, in dem es ja schwer ist einen Fuß in die Türe zu bekommen, uns durch seine Natur eine Menge Perlen vorenthält. Wer weiß, was da noch kommen mag. Ich bin gespannt 🙂

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