„Mit eBooks lässt sich kein Geld verdienen“

Bei Spreeblick wurde vor kurzem ein Experiment gestartet. Und zwar haben die Macher von Spreeblick, Johnny Häusler und sein Team, 15 Geschichten des Spreeblick-Blog genommen und zu einem eBook verpackt, das sie bei Amazon über das Kindle Direct Publishing (und später auch über iTunes) zum Verkauf anbieten. Das ganze hat auch einen gewissen experimentellen Charakter, denn Johnny möchte mit dem ganzen herausfinden, ob die Aussagen der klassischen Verlage richtig sind und ob „auf den Wecker gehen“ über die verschiedenen Social Media zum Gesamtumsatz beiträgt oder eher nicht.


Genau diese Aussagen der Verlage sind es, die mich ein wenig nachdenklich machen. So heißt es im zur Aktion gehörenden Artikel bei Spreeblick:

Denn wer sich in diesen Tagen mit klassischen Print-Verlagen unterhält, hört diese darüber klagen, dass sich eBooks nicht verkaufen würden. Nur im zweistelligen Bereich würde man Print-Bestseller in ihrer elektronischen Version an den Mann oder die Frau bringen, zu verdienen wäre sowieso nichts damit.

Nun kann man zum aktuellen Zeitpunkt zumindest mal die Aussage der ausschließlich zweistelligen Verkäufe nicht mehr völlig ohne Einwand stehen lassen, denn das eBook hat sich mittlerweile mehr als 1000 Male verkauft und sich damit zu einem Bestseller in den Amazon-Charts lanciert.

Diese Zahlen lassen sich sicherlich nicht ohne eine gewisse Portion Skepsis betrachten, denn zum Einen ist der Preis von 99 Cent so niedrig angesetzt, dass man schon fast zugreifen muss und zum Anderen ist Spreeblick ein Blog mit einer festen Fanbase, weist nach eigenen Angaben 5000-10000 Leser am Tag auf, die, so lassen es zumindest die Anzahl der Flattrs vermuten, eine gewisse Bereitschaft mitbringen ihr favorisiertes Blog zu unterstützen.
Auf der anderen Seite muss man aber auch betrachten, dass „Bestseller“ schon per Definition ebenfalls eine gewisse Beliebtheit aufweisen.
Nichts desto trotz ist es natürlich so, dass der große Erfolg von eBooks bisher ausgeblieben ist. Die Gründe dafür sehe ich darin, dass viele „Leseratten“ ähnliche Probleme mit eBooks haben dürften wie meine Person. Da ist der etwas nostalgische Hang zum gedruckten Buch einerseits, Mechanismen wie DRM, sowie die Preise andererseits.
Was ich hierbei jedoch nicht verstehe: Wie kann es sein, dass hiermit kein Geld zu verdienen sein soll?
Nach ein paar Gedankenexperimenten kam ich zu der Überlegung, dass die Aussage zur Unmöglichkeit mit Büchern Geld zu verdienen, womöglich auf der Erwartungshaltung basiert, dass man damit die selbe Anzahl Bücher verkaufen könne, wie schon bei der Print-Ausgabe.
Doch was die Verlage hierbei übersehen: Wenn ein Buch sowieso zweigleisig erscheint, dann dürften die Kosten für die Publikation eines eBook doch praktisch nicht-existent sein. Immerhin ist das Buch schon geschrieben, eine digitale Vorlage in ein eBook konvertieren dürfte keine Unsummen verschlingen und die Vertriebskosten dürften sich auf die Provision beschränken, die von der jeweiligen Vertriebsplattform verlangt wird. Kurz: Die Marge am verkauften Buch dürfte sehr viel besser ausfallen.
Es steht also zu vermuten, dass die Verlage an einer Wunschvorstellung hängen, die momentan tatsächlich nicht realisierbar sein dürfte. Jedenfalls solange nicht, wie man dem Kunden keinen Kaufanreiz bietet. Natürlich spielt hier die noch sehr schwach ausgeprägte Akzeptanz von eBooks eine Rolle. Aber gerade an der könnte man arbeiten, indem man realistische Preise macht. Das muss ja nicht heißen, seine eBooks für 99 Cent zu verscherbeln. Allerdings wären Preise wünschenswert, die dem Umstand Tribut zollen, dass ein eBook mit wesentlich geringeren Produktionskosten verbunden ist.
Allerdings ahne ich, wohin die Reise gehen wird: Die Buchpreisbindung wird weiter gelten, die Verlage weiterhin verschlafen sich an die neuen Gegebenheiten anzupassen (was wohl auch eine Zusammenarbeit mit der Politik erfordern würde) und schließlich werden sie anfangen zu klagen, wenn immer weniger Menschen noch Bücher kaufen und sich vielleicht sogar ein „Scan & Copy“-Raubkopier-Markt entwickt.

5 Gedanken zu „„Mit eBooks lässt sich kein Geld verdienen““

  1. Ich denke mal, dass das nur eine Frage der Zeit ist. Bücher mit einer gewissen Popularität, die ohnehin schon als eBook vorliegen, dürften jetzt schon über Torrent & Co verfügbar sein. Und machen wir uns nichts vor: Wenn das Interesse da ist, werden auch andere Bücher verfügbar werden.

  2. Hallo,
    sehe ich nicht so, das die Buchverlage verschlafen habe. Das ganze wird nicht meht lange dauern und es geht richtig los.
    Gruß Frank

  3. Naja. Bisher scheint es schon so. Und mein Kommentar war ja auch eher eine Vermutung für die Zukunft. Die Musikindustrie ist ja auch irgendwann aufgewacht und so langsam ist der Erwerb von Musik über das Internet ja fast schon attraktiv. Bis dahin wird sich die Branche aber, so denke ich, noch eine Menge Geld entgehen lassen.

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