Amazon Kindle: Revolution – oder nicht?

Amazon timlant nicht viel weniger als eine Revolution, könnte man meinen. Eine Revolution an deren Ende womöglich kein Baum mehr gefällt werden muss, um mein Lesebedürfnis zu befriedigen. Immerhin ist der Amazon Kindle in diesem Jahr schon in der vierten Generation erschienen. Doch bislang verschließt sich eine Gruppe von Menschen noch dem Fortschritt, weil sie die haptischen Reize eines Buches und die Optik eines vollen Bücherregals einfach zu sehr mögen.
Ich gehöre dazu und trotzdem muss ich zugeben, dass mich der Kindle überrascht hat.


Die Ankunft – wie man Dinge richtig verpackt
Es kommt nicht oft vor, dass Ware, die man geliefert bekommt, mit Vernunft verpackt wurde. All zu oft habe ich Kleinteile aus Kartons gigantomanischer Ausmaße befreit, mich durch Tonnen an Füllmaterial gewühlt und am Ende ein Teil ausgegraben, das man auch in einem Schuhkarton für Babyschuhe hätte verpacken können. Nicht so beim Kindle – die Verpackung besticht dadurch, dass sie sowohl extrem sparsam, als auch völlig ausreichend ist.

Kaum größer als ein Buch, ist der Karton, der den Kindle umhüllt. Darin eine Plastikschale als Bett, worunter sich das Ladekabel befindet; ein kleiner Einschub beherbergt das Wenige an mitgelieferten Dokumenten (Garantiebestimmungen und Hinweise zum Laden).

 
Der erste Eindruck

… ist zunächst mal geprägt von zwei Gedanken:
  1. „Man ist der klein!“
  2. „Ist das da eine Folie oder ist der schon an?“ 
Über Punkt 2 wurde ich von einem Kollegen aufgeklärt. Er wies mich darauf hin, dass die Symbolik auf dem Display keineswegs eine Folie ist, sondern die Anzeige selbst. Man muss nämlich wissen, dass beim Display des Amazon Kindle das Bild nur einmal aufgebaut werden muss und sich dann hält – ohne dass es dafür Strom bräuchte.

Das erste Mal in der Hand, ist der Kindle 4 vor allem leicht. Dabei liegt er jedoch gut in der Hand, denn ist sehr griffig. Das Äußere des Kindle besticht durch matte Eleganz, wovon ich ohnehin ein Freund bin, und wirkt nicht im Entferntesten billig. In der Größe fällt er sogar ein bisschen kleiner als ein zugeklapptes Taschenbuch aus. Dagegen hat das Gewicht mit einem Taschenbuch nicht viel gemein – mit 170 Gramm ist der Kindle einfach nur unverschämt leicht.
Übrigens ist die Größe des Kindle auch für kleine Hände optimal, wie ein Test mit meiner Freundin beweist.

Das mitgelieferte Zubehör

… ist sehr spartanisch.

Dem Amazon Kindle liegt nur ein Ladekabel bei, aber kein Adaper um es an einer Steckdose zu verwenden. Man kann es also nur am Computer benutzen oder muss ein Kindle Netzteil kaufen. Allerdings orientiert sich Amazon beim Kindle am heutigen Quasi-Standard für Handy-Ladegeräte – der Kindle weist eine Micro-USB-Buchse auf. Somit lassen sich Handy-Ladegeräte verwenden, um den Kindle aufzuladen.

Erster Start und Bedienung
Der erste Start dauert etwa 30 Sekunden, danach kann man das Gerät einmalig einrichten. Hierbei bedeutet Einrichtung: In ein WLAN einbuchen und mit einem neuen oder bestehenden Amazon Konto verbinden. Hierbei erhält man dann zunächst mal Gelegenheit die Bildschirmtastatur auszuprobieren, die sich mit einem Tastendruck auf die Keyboard-Taste öffnen lässt.

Die Tasten erfordern insgesamt ein bisschen zu viel Druck und geben ein deutlich hörbares Feedback in Form eines „Klick“-Geräuschs. Das ist aus meiner Sicht ein kleines Manko, da meine Freundin sicher nicht glücklich wäre, wenn es neben ihr dauernd klickt, wenn sie versucht zu schlafen.

Zurück zur Bildschirmtastatur: Alles in allem erfüllt die Bildschirmtastatur ihren Zweck, lässt aber keine richtige Freude aufkommen, weil der Druckpunkt, zumindest bei längeren Texten oder Passwörtern, stört. Sollen häufiger Notizen beim Lesen gemacht werden, ist vermutlich ein Modell mit Tastatur oder Touch-Screen die geeignetere Variante des Kindle.

Nach der Einrichtung empfiehlt es sich das Handbuch aufzurufen um sich mit dem Blättern vertraut zu machen. Zum Blättern hat der Kindle jeweils zwei Tasten auf beiden Seiten des Geräts. Dabei fällt auf, dass diese Tasten nicht in Richtung des Geräts gedrückt werden müssen, sondern nach unten hin, was im ersten Moment eventuell etwas ungewohnt aber durchaus logisch ist, weil auf diese Weise vermieden wird, dass man die Tasten beim Lesen versehentlich betätigt.
Anzeige und Lesbarkeit
Hier entscheidet sich: Tonne oder Wonne? Bei einem Ebook-Reader kommt es darauf an, dass das Display ein schmerz- und ermüdungsfreies Lesen über längere Zeit ermöglicht. Bekanntermaßen ist es nämlich nicht nur unangenehm, auf Bildschirmen zu lesen, sondern auch gesundheitlich nicht ratsam.
Hierbei kann die im Kindle verwendete E-Ink nur als bahnbrechend bezeichnet werden. Der Kontrast kommt praktisch einem gedruckten Buches gleich und in der Praxis merkt man das auch.
Nun ist zwar gerade die falsche Zeit um Tests beim Lesen in der Sonne zu machen, aber aufgrund des Kontrasts und der matten Oberfläche des Kindle sind hier keine Schwierigkeiten zu erwarten.
Features
Der Kindle weist verschiedene Features auf, die ein normales Buch teilweise nicht bieten kann. So wird er mit einem deutschen und einem englischen Wörterbuch ausgeliefert, das je nach Dokumentsprache im Dokument genutzt werden kann, indem man einfach den Cursor zu dem Wort bewegt. Dann wird eine Kurzdefinition angezeigt. Hier kann man dann aber auch die vollständige Definition anzeigen lassen. Die anderen Features habe ich bisher entweder noch nicht benutzt, erwarte sie einfach und/oder sie sind mit dieser Modellvariante nicht wirklich praktikabel, wie Notizen.

Der Kindle Shop ist einfach und funktional zu bedienen – mit One-Click-Buy ist ein Buch schnell auf dem Kindle.
Allerdings birgt das auch ein gewisses Risiko, so dass man die Verwendung eines Gerätepasswort (das der Kindle auch unterstützt) erwägen sollte.

Eines der grundlegenderen Features finde ich von der Bedienung her weniger gelungen: Lesezeichen.
Zwar sind sie einerseits schnell gesetzt, aber andererseits wünscht man sich einen Index über die Lesezeichen, den es auch gibt, der aber für mein Empfinden nicht wirklich intuitiv gelegen ist. Man findet ihn nämlich unter dem Menüpunkt „Anmerkungen anzeigen“. Das ist eine Kleinigkeit, klar. Und jetzt wo ich es weiß auch kein Problem mehr. Aber erst mal musste ich suchen.

Fazit
Ich bin nicht wirklich sicher, ob der Kindle meine Art Bücher zu lesen revolutionieren wird. Ganz gewiss kann man aber sagen, dass der Kindle die erste brauchbare Alternative zu einem gedruckten Buch darstellt. Auf Dienstreisen wird er sicherlich ein guter Begleiter sein und die analoge Variante wahrscheinlich ersetzen.Das größte Problem liegt für mich auch gar nicht unbedingt am Gerät – über die kleineren Mankos kann man hinweg sehen oder eines der nächsthören Modelle kaufen, die sie nicht haben.

Viel mehr besteht das Problem in der Gewohnheit – ich habe das gedruckte Buch, das Schmökern, das raschelnde Papier und den Gang zum Buchladen, um einfach mal in Bücher rein zu lesen, über die Jahre lieb gewonnen. Mit dem Kindle entfällt der Buchladen, ist darauf beschränkt, was mir der Händler erlaubt und es ist einfach ein völlig anderes Gefühl.
Womöglich ließe sich hier Abhilfe schaffen, wenn es mit kommenden Kindle-Versionen möglich wäre, den Barcode eines Buches abzuscannen und direkt im Kindle-Shop oder vielleicht s
ogar im Buchladen als Kindle-Ausgabe kaufen zu können.

Das allergrößte Problem bleiben aber die Preise für Bücher. Zwar lockt Amazon bei den meisten Büchern mit geringen Preisnachlässen, insgesamt sind sie aber zu hoch. Denn hinter einem gedruckten Buch steht ein realer Wert – man kann das Buch anfassen, ins Regal stellen, es verleihen, verschenken und sogar wieder verkaufen. Und niemand (außer vielleicht ein Dieb) kann es einem wegnehmen. Bei der digitalen Variante kann das alles nach Belieben eingeschränkt werden – und wird es auch. Dafür hat es andere Vorteile, wie der einfache und schnelle Erwerb, die Synchronisationsmöglichkeiten oder auch eine ganze Bibliothek, in der Hosentasche mitführen zu können.

Aber ob das reicht um die anderen Nachteile auszugleichen?

Ein Gedanke zu „Amazon Kindle: Revolution – oder nicht?“

  1. Wie der Amazon Kindle mein Leseverhalten veränderte

    Amazon plant das Abholzen der Regenwälder zu verhindern. Zumindest aber eine Revolution, bei dem dies das Endergebnis sein könnte. So meine Vermutung, als ich von meinen ersten Erfahrungen mit dem Kindle berichtete. Damals war ich überrascht. Wie ist e…

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