Die Leute können lesen!

Fünfzehn Prozent auf alles! Für die meisten Menschen war das wie das Paradies, zumal so kurz vor der Weihnachtszeit.
Aber uns kam es vor, als gäbe es ein großes Geheimnis und niemand hätte uns Bescheid gesagt.

Es war vor wenigen Tagen, als wir bei HIT einkaufen wollten. Zunächst mal hatten wir keinen Parkplatz gefunden. Nach ein paar Runden über den Parkplatz

wurde dann doch einer frei. Wir steuerten darauf zu, merkten aber schnell, icht die einzigen zu sein, die den gesehen hatten.
Dann gaben wir entnervt unsere Korrektheit auf und belegten den Mutter-/Kind-Parkplatz daneben, der die ganze Zeit frei geblieben war.
Etwas verdutzt waren wir dann schon, als aus dem Auto, das uns gerade den Parkplatz weggeschnappt hatte, eine kleine Familie – Mutter, Vater, Kind – ausstieg.
Im Laden war es brechend voll. Doch wir dachten uns nichts dabei, denn in den letzten Wochen war es einfach unmöglich eine geeignete Zeit zu finden, zu der man einkaufen kann.
Wir brauchten nicht viel und so huschten wir durch den Laden, griffen in der Tiefkühlabteilung beherzt nach zwei Flammkuchen, sahen noch kurz bei den Büroartikeln vorbei und begaben
uns dann zur Kasse.

Dort erwartete uns eine Überraschung: Alle Kassen waren offen.

Einen kurzen Moment fragte ich mich, ob heute der Tag gekommen wäre, an dem Weihnachten, Ostern und Neujahr zusammen gefallen waren. Denn bislang war ich der Auffassung auferlegen, der Tag, an dem bei HIT mal mehr als drei Kassen offen sind, müsste eben dieser sein.
Allerdings waren an jeder einzelnen Kasse Schlangen, die ein wenig an Aldi erinnerten, wenn es dort wieder mal das Mega-PC-Schnäppchen gab.
Sprich: Man stapelte sich fast.

Normalerweise würde der erfahrene HIT-Kunde bei langen Schlangen Ausschau nach den anderen Kassen halten, um anhand der Kassiererin und Länge der Schlange zu ermitteln, wo die strategisch sinnvollste Stelle wäre, um sich anzustellen. In diesem Fall erübrigte sich das aber. Die Leute standen alle mindestens bis zum Waschmittel-Regal, was bedeutet: Hier nicht anstellen.
Also einfach die erst beste Schlange nehmen und wundern.

Schließlich wird es Zeit unsere Verwirrung aufzulösen, also halb genervt, halb jovial und relativ laut die Frage in den Raum gestelllt: „Was ist hier los? Gibts hier was umsonst oder wie?“
Vor uns steht ein Paar mittleren Alters, er Blaumann, sie irgendwas Anderes. Er dreht sich zu uns rum und sagt:

„Die Leute können lesen! Hier gibts heute 15% auf alles außer den Rewe- und Ja-Artikeln. Und nur ab 19 Uhr, aber wir haben ja jetzt auch schon 19:30 Uhr.“
In dem Moment tausche ich ein Fragezeichen gegen ein Anderes. Denn nun frage ich mich nicht mehr, was hier los ist, sondern wo das angekündigt wurde.
Und ich überlege, ob wir nicht noch schnell ein paar Artikel erwerben sollten, die wir sowieso die nächsten Tage gekauft hätten und an denen wir jetzt ein wenig sparen könnten.
Machen wir natürlich auch, aber jetzt noch mal durch den Laden laufen und Großeinkauf? Nee, keine Lust. Also nur im Kleinen sparen.

Während wir dann noch so an der Kasse stehen, abwechselnd mal ich und und mal meine Freundin verschwinden um noch einen Sechser Wasser und ein paar Büroartikel zu holen, die wir eigentlich erst in den nächsten Tagen holen wollten, sagt der Blaumann vor mir immer wieder: „Die Leute können Lesen!“
Ich fange an mir zu überlegen, ob ich mir verschaukelt vorkommen soll oder doch lieber Mitleid mit dem Mann haben soll, der aufgrund der Rabattaktion offensichtlich seinen Verstand verloren zu haben scheint. Aber eigentlich frage ich mich viel mehr, ob das mit dem Rabatt eigentlich auch auf Zigaretten gilt.
„Nee, dürfen wir nicht, ist ja ein Einheitspreis, sonst wär das bei uns ja günstiger“, klärt mich die Kassiererin auf, als wir an der Reihe sind.

Auf dem Weg zum Auto betrachte ich dann den Kassenzettel und stelle zufrieden fest, dass wir knapp 5 Euro gespart haben. Dann sehen wir ein Schild, dass auf die Aktion hinweist. Warum war uns das die Tage zuvor entgangen? Stand das gestern schon da?
Darauf steht, dass der Laden an diesem Tag ausnahmsweise bis 22 Uhr offen hätte. Wir spielen mit dem Gedanken, doch noch mal Großeinkauf zu machen.
Aber dann wird uns klar, dass wir großteils die Artikel kaufen, die ohnehin nicht rabattiert sind, und so fahren wir einfach nach Hause.

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