Ihre Bahncard bitte…

Eigentlich müsste ich es ja gewohnt sein. Etwa alle ein bis zwei Monate fahre ich mit dem ICE. Meistens nach Berlin. Daher habe ich eine Bahncard. Normalerweise buche ich dann einfach online eine Fahrkarte, gebe an, dass ich über eine Bahncard verfüge und dass ich diese als ID-Karte nutzen möchte.
Dieses Mal hatte ich sie aber nicht dabei, da ich kurz vor dem EMS Dinge aus meinem Portemonnaie geräumt hatte, die ich nicht verlieren wollte und es dann vergessen habe wieder einzuräumen.

Ich befand mich also so im ICE zwischen Duisburg und Berlin, als die Kontrolleurin kam und nach den Fahrkarten fragte. Noch bevor sie mich fragen konnte, teilte ich ihr mit, dass es ein Problem gäbe. Das ich, allem Anschein nach, meine Bahncard vergessen hätte. Die Frau war nett, sie lächelte und sagte, ich solle doch noch mal mein Portemonnaie durchsuchen ob sie wirklich weg sei, denn sonst müsste sie mir ein wenig Geld abknöpfen. Das half aber nicht und als sie wieder kam, fragte ich sie, was sie denn jetzt an Geld von mir bräuchte. Während sie noch so überlegte, sagte ich ihr aber auch, dass ich im Internet ja über die Seiten der Bahn meine Bahncard Nummer nachsehen könne und ich ihr zumindest diese nennen könnte. Auf die Idee war ich kurz vor ihrer Rückkehr gekommen.
Sie setzte sich dann neben mich und ich zeigte ihr was man da alles sieht. Kartennummer, Gültigkeit und sogar den Zahlungsstatus. Da staunte sie nicht schlecht. Mehrfach sagte sie so etwas wie „Wow!“ oder „Da bin ich ja begeistert!“ oder „Ich wusste gar nicht, dass das geht“.
Dann sagte sie: „Ach wissen Sie was, ich weiß zwar nicht wie das meine Kollegen sehen, kann also nur für mich sprechen aber das begeistert mich jetzt so. Das reicht mir.“
Und das war es dann. Fahrkarte kontrolliert, nichts zusätzlich bezahlt. Schön, wenn es auch mal so unbürokratisch gehen kann.

Sie meinte dann noch, sie würde das mit ihrer Ablöse besprechen. Zwar wüsste sie nicht, ob sie das auch so sieht, aber sie würde ihr das zumindest sagen. Die Ablöse kam dann irgendwann und wollte die Bahncard gar nicht sehen.

Für die Rückfahrt hatte ich mir eine Kopie meiner Bahncard per Fax schicken lassen. Als dann die Kontrolleurin kam, sagte ich auch dieser, dass es ein Problem gäbe, erklärte es ihr und gab ihr die Kopie. Sie guckte erst die Kopie und dann mich mich an. Etwas böse oder streng. Also sagte ich „Ja, dass man das Bild kaum erkennen kann, ist mir auch schon aufgefallen.“. Daraufhin deutete sie ein Nicken an und meinte man könne ja zumindest den Namen sehen, bat mich um meinen Personalausweis und als sie diesen geprüft hatte, gab sie mir alles zurück. Fertig. Auch dieses Mal wollte die Ablöse die Bahncard gar nicht sehen.

Da hatte ich wohl noch mal Schwein gehabt.

EMSig gefeiert – Ein paar Eindrücke von einem frei laufenden Hahn

Was kommt dabei rum, wenn man Eier mit Speck zum Frühstück mit einem bunten Mix an Musik kombiniert? Das Eier mit Speck-Festival.

Im Jahr 2010 war ich das erste Mal auf jenem Festival, das von seinen Machern auf den Namen „Eier mit Speck“ getauft wurde. Es findet bei mir um die Ecke statt und ist vergleichsweise günstig, zumindest wenn man es mit Festivalgrößen wie dem Rock am Ring vergleicht, das ungefähr das Fünffache kostet. Kurzum: Zwei Gründe um nicht lange zu zögern und hinzufahren.

Pfeiff doch drauf, dass ich die meisten der Bands („Hasenscheiße“, „Kontrust“, etc.) nicht kannte. Zur Not bleibt ja noch das Flair auf dem Campingplatz.
Entsprechend erwartete ich wenig. Am ersten Abend war ich sogar schlecht gelaunt. Auch wenn die Gründe hierfür wie in endloser Ferne erscheinen: Damals war es eben so. Aber erstens kommt es anders und zweitens als man denkt. Das Wochenende entwickelte sich prächtig. Ich lernte meine heutige Freundin kennen, die Bands waren teilweise sehr mitreißend und die Stimmung war nur mit einem Wort zu beschreiben: Grandios – oder vielleicht: familiär.
Und so entschied ich mich frühzeitig, dieses Jahr wieder dort hin zu fahren. Als der Vorverkauf im Dezember startete reagierte ich schnell und ergatterte die Karte mit der Nummer 77.
Dieses Jahr reise ich folglich mit größeren Erwartungen an – ud viel mehr Gepäck. Waren es im letzten Jahr noch ein Rucksack, ein paar Lebensmittel, Bambusmatte, Zelt und Schlafsack, so kamen in diesem Jahr noch ein Grill samt Zubehör, ein Sechser Wasser, eine Kühlbox aus Styropor, eine aufblasbare Luftmatratze, ein Pavillon, Campingstühle, eine Kühltasche und große Mengen Eis dazu. Und natürlich die Sachen meiner Freundin. Dazu gibt es nicht viel zu sagen, außer: Im Vorjahr reiste ich im Taxi an, dieses Jahr mit dem eigenen Auto, vollgeladen bis unter die Decke.
Und natürlich war dieses Festival für mich und meine Freundin recht bedeutungsschwanger. Immerhin konnten wir hier unser einjähriges Kennenlernen feiern (wenn man auch ehrlicherweise sagen muss, dass unser Einjähriges an diesem Wochenende streng genommen schon wieder eine Woche her war 😉 )

Am Donnerstag kamen wir also um halb zwei am Gelände an. Der Campingplatz sollte um 15 Uhr öffnen aber wie das so ist: An sowas hält sich natürlich keiner. Beim Versuch einen Platz für uns und die Zelte unser später anreisenden Freunde zu sichern, begegneten wir dann flott einem Security, der aber durchaus einen Vorgeschmack darauf zeigte, was wir am Wochenende merken würden. Nämlich, dass der Umgang mit Security-Leuten sehr entspannt und freundlich sein kann, anders wie man das von vielen Konzerten und anderen Festivals gewohnt ist. Letztlich gaben wir große Teile der reservierten Fläche ab, brachten aber trotzdem unsere ganze Gruppe (immerhin 6 Zelte und ein Pavillon) unter.
Der Wahl der Fläche erwies sich im Nachhinein als zweischneidiges Schwert. Wir waren sehr weit vorne, was natürlich in den Nächten ziemlich laut war. Dafür hatten wir sehr kurze Wege zum Festivalgelände und zum Partyzelt für die After Hour. Und außerdem lernten wir wirklich coole Leute kennen.

Das Campen hat natürlich wieder eine Menge Eindrücke hinterlassen. Deren nachträgliche Rekonstruktion fällt teilweise schwer. Was man jedoch sagen kann: Das Treiben bei so einem Festival lässt ebenso die menschlichen Abgründe erahnen (ich sag nur: Dixieklo!), wie es feststellen lässt, wie leicht Menschen zueinander finden, um gemeinsam friedlich und ausgelassen  zu feiern. Ein paar Highlights waren sicher dabei, wie das gemeinsame Grillen mit Leuten, die wir bis dahin nicht kannten und die illustren Runden mit eben jenen Typen.
Vieles wäre für Außenstehende sicherlich auch nicht verständlich. Tatsächlich wäre es vermutlich nicht mal für die Dabeigewesenen verständlich, wenn sie eben nicht dabei gewesen wären.
Als einer der Typen etwa auf Zuruf sein Gemächt zur Schau stellte und sich dabei fotografieren ließ. Situationskomik. Der selbe Typ ließ öfter mal Sachen fallen. So lernten wir ihn ja auch gewissermaßen kennen, als er auf dem Zeltplatz ankam und erstmal einen Haufen Grillkohle und Bier vor unseren Füßen verteilte.
Ja sogar das ständige Ringen um die begehrten Campingstühle, war letztlich doch ab und an recht amüsant bzw. führte zu amüsanten Situationen, obwohl das nicht immer von Allen als lustig empfunden wurde.
Oh ein Highlight wäre da natürlich noch zu nennen, auch wenn ich es nicht unbedingt als Solches empfunden habe, weil ich mich nicht unbedingt als Fan bezeichnen könnte: Der Sänger von einer der Bands (motorjesus) war bei uns am Campingplatz (weil eine Freundin von uns ihn aus dem Job kannte) und unterhielt sich mit uns, verteilte Autogramme etc.

Das Festival selbst, von der Musikauswahl her,  war dieses Jahr so la la. Eindruck haben bei mir hier vor allem Phrasenmäher und Selig hinterlassen. Wobei das auch Bands waren, die ich im Vorfeld schon kannte bzw. kennengelernt habe und dementsprechend nicht sehr überrascht war. Andere Bands fand ich teilweise ganz cool ich bin nur nicht sicher ob der Eindruck reichte um sie im Nachhinein noch mal zu hören.
Dennoch: Wenn eine Masse von Menschen vor einer Festivalbühne sitzt und mit Jan Plewka zusammen „Ohne dich“ trällert, ist das schon ein Erlebnis, an das man sich noch lange erinnern wird.

Und letztlich kommt ein Festival natürlich nicht ohne Kritikpunkte aus. So wurde dieses Jahr ein Müllpfand eingeführt was an und für sich ja nicht verwundert. Man hätte aber mehr Feingefühl beweisen können, als man es so regelte, dass jeder Besucher einen großen Sack bekam und sein Pfand nur zurück bekam, wenn er wirklich voll war. Praktisch wurde man also genötigt den Müll anderer Leute einzusammeln, wenn man selbst nicht viel Müll gemacht hat. Bestand der Müll hauptsächlich aus Dosen bestand, musste man sich fragen, ob es überhaupt Sinn macht sich das Pfand zurück zu holen oder ob man nicht besser fährt, wenn man die Dosen einfach beim Händler des Vertrauens gegen das Dosenpfand eingetauscht hätte.

Ansonsten waren es vermehrt Kleinigkeiten, wie Probleme mit der Parkplatzsituation, die nur einmal am Tag gereinigten Dixie-Klos (was bei knapp 4000 Menschen einfach zu wenig ist), ein schlecht organisiertes Merchandising wo man schon am Samstag kaum noch bekam, was man wollte.

Ein einziger Umstand brachte dann (bei mir) aber das Fass zum Überlaufen und versaute mir dann doch ein bisschen die Laune: Am Tag der Rückreise schleppten wir unser Zeug zur Schleuse am Parkplatz, weil wir davon ausgingen, dass die Info die dort an einem Schild hing, nämlich, dass diese Schleuse zwischen 14 und 22 Uhr geöffnet sei, auch richtig sei. Das war sie aber nicht. Irgendwann zwischendurch hatte man die Schleuse geschlossen und der Chef der Security entschied, dass man daran auch nichts mehr ändern würde. Stattdessen riss ein Security dann nach unserer (freundlichen) Beschwerde das Schild ab, bewachte fortan die geschlossene Schleuse und verwies uns auf die Löcher unterm Zaun, statt uns rein zu lassen.
Da kann man nur sagen: „Danke“ für diese Verlässlichkeit.
Als zahlender Besucher hätte man sich da natürlich was Anderes gewünscht.

Dennoch muss man außer diesem und einem anderen kleinen Faux Pas auch sagen, dass die Security dieses Jahr einen großartigen Job gemacht hat. Zumindest aus Sicht eines Besuchers, der sich vor allem eins wünscht: Security die einem nicht die gute Laune verderben. Das taten sie nicht, sie waren überwiegend nett und freundlich. Keine Spur von pampigen Security-Allüren, die man sonst so kennt (außer einer Frau, die bei der Handtaschenkontrolle meiner Freundin eine leere Trinkspritze (diese Dinger, die man bei real kaufen kann: Plastikspritzen mit alkoholischen Getränken dr
in) fand und auf die Info hin, dass da nur was zu Trinken drin gewesen ist, ziemlich pampig reagierte und vermutlich sehr genau nach, der, ihrer Meinung nach zugehörigen, Nadel suchte. Ist ja auch totaaaal klar, dass wenn man sich auf dem Festival irgendwas spritzen würde, dass man die leere Spritze dann in der Handtasche mit aufs Festivalgelände nimmt…).

Nichts desto trotz hat sich das Wochenende im Großen und Ganzen gelohnt, auch wenn es letztes Jahr einfach besser war. Ob es dort nächstes Jahr wieder hin geht, bleibt abzuwarten. Hängt sicherlich sehr stark davon ab, ob es das Festival nächstes Jahr noch gibt (die Ansage zur letzten Band vermittelte den Eindruck, die Zukunft des EMS könnte noch in den Sternen liegen) und ob eine Veränderung an der Organisation erkennbar ist, die halt einfach stellenweise zu Wünschen übrig ließ.