Das hat die Kollegin schon gesehen..

Wer häufiger Bahn fährt, kennt das leidliche Spiel: Auf einer Strecke von fünf Stunden Fahrt, erfolgt mindestens einmal ein Personalwechsel. Und wie das so ist: Der ist mit einer erneuten Fahrscheinkontrolle verbunden.
Es nervt, natürlich. Aber objektiv betrachtet: Was sollen sie denn machen?

Gerade war es mal wieder so weit. Mich nervt es natürlich auch, aber ich ertrage es still, weil es einfach keinen Sinn macht zu motzen. Und völlig unnötig ist. Zumal es so einfach schneller geht.
Lächeln, Fahrschein zeigen, fertig. 5-10 Sekunden Unterbrechung von Tätigkeiten, die man die letzten 2,5 Stunden schon rotierend tätigt.

Gegenüber aber sitzt ein Typ. Von der wichtigen Sorte. Anzug, Brille, natürlich am telefonieren. Klang er eben am Telefon noch total gelassen und fröhlich, veränderte sich seine Stimme plötzlich, als der Kontrolleur bei ihm ankam. „Das hat ihre Kollegin doch schon gesehen“, meint er. Der Blick ist dabei vom Kontrolleur weg gerichtet. So als ob der Kontrolleur noch nicht mal eines Blickes würdig ist. Die Stimme: Kontrolliert unfreundlich. Ein Hauch von Stress.
Dann telefoniert er weiter, während der Kontrolleur (übrigens einer von der freundlichen Sorte, was ja bei der Bahn nicht selbstverständlich ist) das Ticket prüft und sich dann völlig unbeeindruckt zeigt und höflich nach der Bahncard fragt.
„Die auch noch!“ ist die patzige Antwort.

Ich kann mich in diesem Moment eines Lächeln nicht verwehren. Meine Bahncard wollte der Kontrolleur nicht sehen. Woran das wohl liegen mag?

Das Verhalten des Wichtigen ist interessant. Betont auffällig greift er das Portemonnaie, greift ebenso betont hastig nach einem Stapel Karten, sucht die Bahncard raus, hält sie kurz hin und nimmt sie ebenso schnell wieder zurück. Untermalt die ganze Aktion, die offensichtlicher seine Verärgerung nicht betonen könnte, noch mit einem „Ok jetzt?“ und klatscht dann die Bahncard feste auf den Stapel um den Stapel dann in sein Portemonnaie zu stecken.
Der Kontrolleur antwortet nicht. Warum sollte er auch? Von Freundlichkeit und Höflichkeit hatte er ja nicht viel. Und eben die hat er ja auch nicht erhalten. Er geht einfach weiter.

Als der Wichtige dann in hoch empörten Ton ein „Gern geschehen!“ hinterher raunt, so als wollte er sich darüber mokieren, dass der Schaffner so unhöflich war, sich nicht einmal zu bedanken, denk ich mir nur so: Man erntet was man sät.