Kurioses von der Wohnungssuche-Front

Der Markt für 3-Zimmer-Wohnungen in Mönchengladbach ist momentan eher gruselig. Eine Wohnung gefällt mehr oder weniger, der Rest eher weniger als mehr. Kurz: Ich bin immer noch auf Wohnungssuche.

Zunächst die Wohnung die gefällt: Schön geschnitten, schön groß, gut isoliert. Sehr gute Parkplatzsituation, außerdem die Möglichkeit einen Tiefgaragenstellplatz unter dem Haus anzumieten. Vergleichsweise teuer aber im Rahmen meiner Möglichkeiten. Im Großen und Ganzen also eine akzeptable Wahl.
Zwei Probleme jedoch:

  • Die Gegend ist innerhalb einer sehr guten und beliebten Gegend von Mönchengladbach das Asi-Viertel. Wäre also möglich, dass ich, soweit es meine Nachbarn betrifft, vom Regen in die Traufe komme.
  • Das Unternehmen, das die Wohnung vermietet hätte gerne eine Schufa-Auskunft. Das ist blöd, weil es Zeiten in meinem Leben gab, in denen es mir finanziell nicht besonders gut ging und von denen sich noch (erledigte) Einträge in meiner Auskunft befinden. Bisher hielt es das vermietende Unternehmen nicht für nötig, auf meine Erläuterungen zu dem Thema und ob das ein Problem darstellt, zu antworten. Ich gehe also schwer davon aus, dass ich die Wohnung nicht bekomme, obwohl meine derzeitige finanzielle Situation mehr als gut ist.

Das ist insgesamt ein Thema, was für mich bei der Wohnungssuche ein Thema ist, das mir zunehmend auf den Geist geht.
Mir ist bewusst, dass es das Problem der Mietnomaden gibt und dass Vermieter Schwierigkeiten haben nicht zahlungskräftige oder zahlungswillige Mieter wieder los zu werden.
Also haben sie, zu ihrem eigenen Schutz, eine Neugier entwickelt, die schon an Unverschämtheit gegenüber potentiellen Mietern grenzt.
Im einfachsten Fall wird da vom potentiellen Mieter eine Selbstauskunft erfragt, mit Fragen wie:

  • Was machen Sie beruflich?
  • Wie hoch ist ihr monatliches Netto-Einkommen?
  • Wurden gegen Sie in den letzten 5 Jahren Zwangsvollstreckungsmaßnahmen durchgeführt?
  • Lief oder läuft gegen Sie eine Räumungsklage?

Soweit, so verständlich. Manche Vermieter gehen dann weiter und verlangen vom potentiellen Mieter eine Schufa-Bonitätsauskunft. Das ist relativ fair, denn die enthält nur Auffälligkeiten im Vertragsverhalten des potentiellen Mieters. Sie ist aber auch problembehaftet, weil die Schufa eine ganze Reihe von Problemen hat. Angefangen mit Unternehmen, die ohne rechtliche Grundlage Eintragungen vornehmen und der Tatsache, dass die Schufa keine richtige Prüfung durchführt. Und was einmal drin ist, bekommt man schwer wieder raus. Auf Basis solcher Auskünfte wurden schon vielen solventen Bürgern ganz gewöhnliche Vertragsverhältnisse ausgeschlagen.

Die nächste Möglichkeit besteht darin, dass der Vermieter auch gleich noch die Einkommensnachweise der letzten drei Monate verlangt. Hier sind wir eigentlich schon an einem Punkt angekommen, wo der Vermieter Daten verlangt, die ihn nichts angehen. Per Gesetz habe ich auch nicht die Pflicht solche Daten raus zu geben. Aber da Vertragsfreiheit herrscht, besteht für ihn dann die Möglichkeit keinen Vertrag mit mir einzugehen. Aushebelung des Rechts auf informationelle Selbstbestimmung durch eine milde Form der Erpressung könnte man das nennen.

Wenn das noch nicht reicht, kommen manche potentiellen Vermieter sogar auf die Idee eine Schufa-Selbstauskunft zu verlangen. Das ist der Teil der Schufa-Auskunft, der wirklich alle dort gespeicherten Daten über einen enthält. Also auch die, die zum Vertrauen schaffen, gar nicht nötig sind.
Das ist mir zum Glück bisher nicht passiert.
Kurios wird das Ganze, aus meiner Sicht, wenn das ganze bei Objekten geschieht, bei denen man eigentlich Geld verlangen muss, damit man da einzieht.

Dann gibt es da noch eine Reihe von harmloseren Kuriositäten. Wie der Vermieterin, die keine Hunde will, keine Familien mit Kindern und keine Hartz4-Empfänger. Wegen der Ruhe im Haus. Ihr gutes Recht ist das (vermutlich) schon, kurios ist es trotzdem.
Gestern hab ich mir dann zwei Wohnungen angesehen, da stieß ich auf die nächsten Kuriositäten. Eine Vermieterin vermietet nur an Personen die über 25 sind. Darüber hinaus stellt sie natürlich auch die üblichen neugierigen Fragen zum Beruf.
Aber auch das Haus offenbarte Kurioses. Meine Frage nach einem Keller wurde mit einer Führung ins Dachgeschoss, um mir dort den Waschkeller (oder sollte ich Waschdachboden sagen?), und später in den Keller, für die eigentlichen Kellerräume, beantwortet.
Voller Stolz erklärt mir die rüstige ältere Frau dann, dass man im Waschdachboden auch seine Wäsche aufhängen kann.
Auf meine Erklärung hin, dass ich es eigentlich bevorzuge meine Wäsche in meiner Wohnung auf einer Wäscheleine aufzuhängen erklärt sie mir, dass man im Haus eine Vereinbarung hätte. Jeder hätte so seine Waschtage und an denen kann er den Waschraum abschließen.
Das ist mir dann zu viel. Nicht nur, dass ich wenig Lust habe eine Waschmaschine über eine enge, wendelförmig verlaufende Treppe ins Dachgeschoss eines fünf-stöckigen Hauses zu schleppen. Ich schaffe es zeitlich auch gar nicht, mich beim Waschen meiner Wäsche an einem festgelegten Wochenplan zu orientieren.
Aber man kann selbstverständlich immer noch mal nach legen. Ich verabschiede mich mit der Versicherung, dass ich es mir überlege und mich melde, wenn ich die Wohnungen nehmen sollte. Ich bin zwie gespalten, denn die Wohnung ist wirklich schön, das Haus offensichtlich alt aber gepflegt.
Nur, dass die oben dargestellten Punkte für mich wirklich große Mankos darstellen.
Darauf sagt Sie mir, dass ich ruhig eine Nacht drüber schlafen soll. Aber bis spätestens 14 Uhr des heutigen Tages muss ich mich melden.
In diesem Moment stand meine Entscheidung, die Wohnung nicht zu nehmen. Denn es zwingt mich nicht nur, mich für eine Wohnung zu entscheiden, bevor ich mir noch andere angucken konnte. Es zeigt auch eine Eigenschaft der Vermieterin, mit der ich es zu tun bekäme, in alle Deutlichkeit: Kontrollzwang. Nein danke, ich kann drauf verzichten, dass meine Vermieterin womöglich noch regelmäßige Stippvisiten bei mir macht.

Und so geht es weiter mit der langsam sehr frustrierenden Wohnungssuche. Montag gucken sich die ersten Leute meine jetztige Wohnung an. Trotzdem hat mein Vermieter versichert, dass sich über eine monatsweise Verlängerung des Mietverhältnisses reden ließe, als ich ihm mitteilte, dass meine Suche gerade sehr frustrierend verläuft. Hoffen wir mal, dass ich in den nächsten zwei Wochen fündig werde oder, wenn nicht, das Angebot dann noch gilt.