Home sweet home

Als Jugendlicher habe ich es mir immer wahnsinnig cool vorgestellt, irgendwann ein Leben zu führen, in dem man Dienstreisen macht.
Ich habe mir vorgestellt, wie man mich im Hotel schon an der Nasenspitze erkennt und mich wie einen der besten Kunden, oder sogar den Besten,
behandelt.
Ich träumte von VIP-Lounges, Hotel-Parties, fetten Spesenkonten und allem möglichen was man sich in seiner Fantasie so zusammen reimen kann. Und Fantasie kennt bekanntlich keine Grenzen.

Bevor ich den Vertrag für meinen aktuellen Job unterschrieb, sagte man mir, dass der Job die Bereitschaft zu Dienstreisen erfordert. Mittlerweile war ich ein paar Jahre älter und hatte aufgehört all zu Spektakuläres über Dienstreisen zusammen zu spinnen. Jedoch fand ich es immer noch einen reizvollen Gedanken auf Dienstreise zu gehen. Käme man doch wenigstens mal raus aus seinem Umfeld und hat vielleicht auch mal die Zeit, die ein oder andere Sehenswürdigkeit zu betrachten.

Irgendwann kam die erste Dienstreise im Rahmen des neuen Beschäftigungsverhältnisses. Morbach hieß der kleine Ort, glaube ich mich zu erinnern. Diese Reise war in Ordnung. Allerdings merkte ich hier schnell, dass so eine Reise vor allem von einem geprägt ist: Arbeit.

Eine Zeit später kam dann der Punkt in meiner Karriere, wo die Dienstreisen häufiger wurden. Seit ein paar Monaten bin ich mindestens einmal im Monat in Berlin. Manchmal sogar zwei bis drei Mal. Auch hier merkte ich wieder, dass Dienstreisen vor allem mit Arbeit verbunden sind. Vor Ort sowohl als auch zu Hause, denn was auch immer ihr je über Spesen gehört habt: Vergesst es. Vordergründig ist das lästiger Papierkram, den es zu erledigen gilt.
Und das Zeit für das Betrachten von Sehenswürdigkeiten rar ist.
Mal ganz davon abgesehen, dass die Lust zu einer typischen Touri-Tour, nachdem man 8 – 10 Stunden für den Kunden gearbeitet hat,
eher wenig bis gar nicht vorhanden ist.

Viel interessanter ist es da schon einfach nur ein Bier zu schlürfen. Ein Punkt in dem Dienstreisen nebenbei übrigens auch schnell uninteressant werden. Denn man hat ja so seinen Biergeschmack. Ich bin zum Beispiel Alt-Trinker. Nun ist Berlin eine Weltstadt: Man bekommt dort Alt. Nur längst nicht in jeder Pinte. Zumindest hat Berlin auch dunkle Biere, wovon man manche sogar trinken kann.

Dafür entpuppten sich ein paar Dinge aus meinen Jugendträumen als wahr. Zumindest ansatzweise. Wenn man oft in einem bestimmten Hotel war, wird man dort erkannt und ja man genießt für Treue – sowohl hier als auch bei Beförderungsunternehmen wie der Deutschen Bahn – die ein oder anderen Vorteile.
Zum Beispiel, dass man irgendwann Zutritt zur Bahn Lounge enthält wo man gratis billigen Automatenkaffee und andere Getränke schlürfen sowie im Sommer Eis essen kann. Oder das Bezahl-WLAN des rosa Riesen nutzen an den, eigens für die Notebook-Nutzung vorgesehenen, Arbeitsplätzen.
Oder einfach nur herum sitzen.
Leider tröstet das über den ständigen Ärger mit der Deutschen Bahn nicht hin weg. Vielleicht sind Dienstreisen mit dem Flugzeug ja besser?

Aber an eine Sache habe ich nie gedacht. In meinen kühnsten Träumen nicht. Das ist das Gefühl, wenn man wieder nach Hause kommt. „Home sweet Home“, nirgendwo ist es schöner.
Dabei könnte man ja meinen, dass sich ein solches Gefühl nur einstellt, wenn zu Hause auch jemand auf einen wartet. Das ist aber nicht wahr. Klar ist das schön. Aber auch in eine ruhige Wohnung zu kommen, mit keiner Menschenseele darin. Mit Niemandem der einen mit „Sie“ anspricht oder die Hand nach der Kreditkarte aufhält. Keinen, den man um eine Rechnung für seinen Arbeitgeber bitten muss.
Dieses Gefühl ist Gold wert. Und es macht süchtig nach mehr.

Nichtrauchen ist langweilig

Wenn man von meinem Ausrutscher am Samstag absieht, bin ich seit fast zwei Wochen rauchfrei. Im Glas befinden sich mittlerweile 52 Euro.
Und irgendwie ist es langweilig.

Die meisten Raucher denken ab und an darüber nach aufzuhören. Ich würde wetten, dass am Ende dieses Jahres der Vorsatz im neuen Jahr nicht mehr zu rauchen einen Platz unter den fünf meist gesetzten Vorsätzen einnehmen wird (worunter ich übrigens auch „Nicht fremdgehen“, „weniger trinken“ und das harmlosere „neuen Job suchen“ vermute).
Die Gründe dafür sind so unterschiedlich wie die Menschen. Das ist klar.
Für die einen ist es das Geld. Andere wollen nicht mehr nach Qualm stinken und wieder andere wollen sich selbst etwas beweisen. Eines haben jedoch viele gemeinsam: Die Angst den Versuch tatsächlich zu wagen.

Es ist doch so: Ab dem Zeitpunkt wo wir uns überlegen mit dem Rauchen aufzuhören machen wir uns Gedanken darüber, ob wir es überhaupt schaffen werden. Wir denken darüber nach, das Rauchen aufzugeben, also auf etwas zu verzichten obwohl wir es wollen. Wir realisieren nicht, dass wir im Grunde genommen eventuell gar nicht aufgeben sondern vielleicht sogar etwas gewinnen.
Mehr Zeit zum Beispiel: Täglich, die Zeit die wir sonst ins Inhalieren des blauen Dunst investiert hätten. Oder in die Beschaffung. Oder ins Stopfen, Drehen beziehungsweise was auch immer wir tun um unsere Sucht wenigstens finanziell erträglicher zu machen.
Insgesamt auf ein Menschenleben betrachtet sind allein das schon ein paar Jahre. Dazu kommt die Zeit, die ein Nichtraucher im Schnitt länger lebt.

Nun könnte man dagegen halten: Vielleicht will ich so lang gar nicht leben. Zumindest kenn ich Leute, die das sagen würden.

Aber ich schweife ab, denn darauf wollt ich gar nicht hinaus. Der Knackpunkt an der ganzen Sache ist, dass wir so sehr mit negativen Gedanken beschäftigt sind und uns somit dazu zwingen Angst vor der rauchfreien Zeit zu haben.
Außerdem reden wir uns ja ein, dass die Zigarette ein Allheilmittel ist: Gegen Stress, gegen Langeweile, gegen schlechte Laune und so weiter.
Was sollen wir nur ohne dieses Mittel tun, muss man sich da fragen?
Was ist, wenn unser Chef wieder das Unmögliche von uns verlangt?
Was ist, wenn die Freundin oder der Freund genau morgen Schluss macht?

Dann werden wir ein Problem haben. Das ist doch ganz klar.

Oder nicht?
Die armen Nichtraucher. 58 Millionen Menschen in Deutschland (73% der Bevölkerung) muss es so viel schlechter gehen als uns Rauchern.
Sie haben mehr Stress, weil sie ja nichts haben um es zu kompensieren. Kein Strohhalm nach dem sie greifen können, wenn die Freundin oder der Freund Schluss macht. Bestimmt leiden die Meisten unter schweren Depressionen.
Ach ja und wir alle wissen ja auch, dass Räucherware länger halt, also sind sie vermutlich auch öfter krank. Und…..

Erwähnte ich es schon? Nicht rauchen ist langweilig. Ja wirklich.
In den ersten Tagen können unsere schlimmsten Befürchtungen eintreten. Aber wisst ihr warum? Nur weil wir irgendwann mal unserem Körper beigebracht haben, dass ein Nervengift gut für uns sei und wir es zum überleben brauchen.
Danach geht es uns wie jedem anderen Menschen auch.

Rückfallen heißt nicht umfallen

Am Wochenende habe ich etwas unvernünftiges getan.
Eigentlich hatte ich mir vorgenommen die ersten Wochen nach meinem Rauch-Stopp nicht aus zu gehen. Denn ich weiß ja, dass es leicht ist, unter dem Einfluss von Alkohol in alte Gewohnheiten zu fallen.
Doch am Abend waren Freunde von mir da, wir tranken ein paar Bier und im Laufe des Abends zog es uns in den Irish Pub.
Im Laufe des Abends kam das Interesse nach einer Zigarette in mir auf.
Ein Freund versuchte mich davon abzuhalten, indem er mir etwas unorthodoxe Unterstützung zusagte. Soweit so gut.
Irgendwann im Laufe des Abends schnorrte ich mir dann von jemand Unbekannten eine Zigarette, denn meine Freunde gaben mir Keine.
Ich rauchte sie aber nicht.
Mir ist klar, dass das blöd klingen mag. Aber in meinem nicht mehr ganz nüchternen Zustand bildete ich mir ein, dass es mir leichter fallen könnte, wenn ich weiß, dass ich jederzeit die Möglichkeit direkt vor der Nase habe und ihr ja trotzdem widerstehe.
Irgendwann im Laufe des Abends merkte ich, wie albern das war. Also nahm ich die Zigarette und machte damit was anderes Albernes. Ich zerbrach sie. Damit entschied ich rituell: Nein, ich brauch dich auch nicht, wenn ich betrunken bin.

Irgendwann später entschieden sich meine Freunde zu gehen und ich noch ein bisschen zu bleiben. Das dürfte ein Fehler gewesen sein. Denn dann knickte ich irgendwann ein. Ich fragte noch mal jemanden nach einer Zigarette und rauchte sie.
Die Zigarette war eine Marke, die ich früher durchaus häufiger rauchte. Letztlich schmeckte ich eh nie große Unterschiede zwischen den Marken und rauchte einfach, was günstig war. Ich weiß nicht, ob es mein Ärger über das eigene Einknicken, der angeblich bessere Geschmackssinn als Nichtraucher oder was auch immer war: Die Zigarette schmeckte mir nicht. Aber nicht nur das. Ich empfand das was ich da tat als abstoßend und das was ich inhalierte als widerlich. Trotzdem rauchte ich die Zigarette zu Ende.
Eine Weitere schnorrte ich mir an diesem Abend nicht. Und ein Päckchen kaufte ich ebenfalls nicht.

Nach dem Ausdrücken der Zigarette tat ich etwas, was mich echt ein wenig schmerzte. Ich holte mein Android raus, startete die StopSmoking Applikation und gab an, dass ich eine Zigarette geraucht hatte. Was meine rauchfreie Zeit sofort von bis dato 10 Tagen 18 Stunden und 37 Minuten auf 0 Minuten reduzierte.
Jetzt bin ich nur noch seit fast zwei Tagen wieder rauchfrei. Meine Nichtraucher-Kasse hat keinen Euro eingebüßt. Sie steht derzeit bei 40 Euro.
Trotzdem ärgert es mich.

Auf manchen „Hören Sie mit dem Rauchen auf“-Seiten bekommt man gesagt, dass man Rückfälle akzeptieren soll. Es sei wichtig, dass man sie nicht zum Anlass nimmt aufzugeben. Daher meine Überschrift, denn das ist, womit ich mich tröste. Ich hatte zwar einen Rückfall, bin aber nicht umgefallen, weil ich trotz des Rückfalls nicht aufgegeben habe.

Vom älter werden

Irgendwann vor mittlerweile fast 26 Jahren kam ich zur Welt. Die Jahre, die dann folgten, dürften die besten in meinem Leben gewesen sein, denn ich wusste praktisch nichts.

Am Anfang meines noch sehr jungen Lebens dürften die größten Sorgen, die ich hatte, darin bestanden haben ob meine Mutter in der Nähe ist und ob man sich um mich kümmerte. Ich war abhängig und doch habe ich es so sicherlich nicht empfunden.

Es kamen die Zeiten, in denen ich aus den Pampers entwachsen bin und erste Freundschaften schloss. In dieser Zeit hatte ich vermutlich das erste Mal eine Freundin oder sogar mehrere und heiratete das erste Mal. Mit einem Mädchen, das ich nach dem Kindergarten nie wieder sah und von der ich trotzdem nie geschieden wurde. Freundschaften schließen war einfach. Und es war einfach Freunde zu verlieren: Das konnte vom einen auf den anderen Tag passieren. Natürlich fand ich es damals traurig, wenn ich einen Freund verlor. Aber andererseits kam ich immer schnell drüber weg. Es waren Jahre der Unbekümmertheit. Für mich und all die anderen Kinder mit denen ich spielte.

Irgendwann kam ich in die Schule. Ab da fing ich an die ersten Probleme zu haben. Ziemlich schnell merkte ich, dass das einzig gute an Schule die Mitschüler sind. Lernen müssen und irgendwelche Erwartungen erfüllen machte einfach keinen Spaß. Dafür waren die Pausen toll, weil man mit anderen Kindern spielen konnte. Und ich hatte damals tolle Klassenkameraden. In dieser Zeit entstanden die ersten Freundschaften, die mir wichtiger waren. Tatsächlich entstanden sogar Freundschaften die sich zwar Jahre später im Sand verliefen, an die ich aber trotzdem ab und an noch denke. Heute, viele Jahre später.
Natürlich gab es in diesen Jahren auch schon die ersten Dramen. Als Kind wird vieles zum Drama, obwohl man schon am nächsten Tag eventuell drüber lachen kann.
Ich muss so um die 12 gewesen sein als eine gute Freundin von mir weg zog. Ihre Familie hatte entschieden nach Bayern um zuziehen. Die Gründe habe ich damals nicht verstanden. Vermutlich würde ich sie heute verstehen, allerdings hab ich es vergessen. Damals war ich tot unglücklich.
Weil wir uns so gut verstanden entschieden wir damals eine Brieffreundschaft zu pflegen. Aber die hielt nur wenige Briefe an. Ich weiß nicht, wer aufgehört hatte zu schreiben. Ich oder sie? Ich weiß nur, dass ich irgendwann nicht mehr traurig war und mich den Menschen widmete, die in meiner Nähe waren.
Das waren so die Probleme, die man damals hatte. Freunde finden, Freunde verlieren. Was spielen wir heute? Gehen wir ins Kino?

Die meiste Zeit dürfte ich glücklich gewesen sein. Und immer noch völlig unbeschwert. Ich habe so viel Mist gebaut, dass meine Eltern in der Versuchung gestanden haben müssen, mich in ein Heim zu geben. Aber sie verziehen mir alles was ich anstellte und die Konsequenzen meines Handelns waren in der Regel nur die Strafen, die sie sich ausdachten. Die mögen damals drakonisch erschienen sein, waren es rückblickend betrachtet aber nicht.

Ab der Förderstufe dürfte meine schwerste Zeit begonnen haben. Manche meiner Freunde gingen auf andere Schulen als ich, manche Freundschaften gingen auseinander. Übrig blieben nur wenige Freundschaften. Und wegen gewisser Eigenheiten wurde ich gehänselt und gepiesackt. Ein Zustand der bis in die neunte Klasse anhalten sollte. Es war sicherlich das erste Mal in meinem Leben, dass ich schlaflose Nächte hatte. Es war aber auch eine Zeit in der ich lernte, dass es Menschen gibt, denen es viel schlimmer geht als mir.
Vorallem lernte ich, dass es viel mehr gibt als mich und mein direktes Umfeld. Ich erfuhr von Teilen der Welt in der Armut herrschte, in denen man Kriege führt und vieles mehr. Es dürfte der Punkt in meinem Leben gewesen sein, in dem man mir den größten Teil meiner Unbeschwertheit raubte. Denn irgendwann in diesen Jahren wurde mir klar, dass ich verdammt viel Glück hatte aber dass sich das Blatt auch wenden kann. Ich wurde deshalb nicht vernünftiger. Deswegen lernte ich nicht mehr für die Schule oder machte meine Hausaufgaben. Aber es veränderte mich ein bisschen und es machte Freundschaften noch wichtiger für mich.

Die erste Liebe kam in diesen Jahren. Also das was über das Spiel im Kindergarten hinaus ging.  Ich war damals nicht beliebt und Erfolg bei Mädchen hatte ich schon damals höchstens als netter Kerl, mit dem man Freundschaften schloss. Dabei interessierte ich mich schon für sie, als viele meiner Klassenkameraden Mädchen noch doof fanden. Damit kam dann also auch der erste Liebeskummer aber der ging immer irgendwann vorbei. Es kamen auch die ersten Beziehungen, die mehr oder weniger gut und lange hielten.

Irgendwann war die Schulzeit vorbei. Es kamen wieder neue Probleme auf mich zu. Suche eines Ausbildungsplatzes, sich dort bewähren usw.
Allerdings schloss ich in dieser Zeit auch einige Freundschaften als ich anfing auszugehen.
Ich verlor die erste Ausbildungsstelle und zog bei meinen Eltern aus und über 200km weit weg.
Zu Teilen tat ich das  wegen der Arbeitsstelle und zu anderen Teilen weil ich „endgültig“ auf den Trichter gekommen war, dass eine Beziehung mit der Frau in die ich damals mehr als alles andere verliebt war nicht funktionieren würde. Es gab also ein paar Gründe weshalb ich weg musste. Auf der anderen Seite gab es meine Freunde, die mehr als genug Grund waren zu bleiben.
Stattdessen verlor ich sie, zumindest mehr oder weniger. Natürlich: Die ersten Jahre sah man sich noch regelmäßig und jedes Mal freute man sich wie Bolle, wenn man sich sah. Aber irgendwann verlief sich das und wenn ich diese Menschen heute sehen würde, wüsste ich gar nicht ob sie noch die selben wie damals sind. Ich weiß ja nicht mal, ob ich noch der selbe wie damals bin.

In Mönchengladbach fand ich neue Freunde.
Ich machte eine Ausbildung und hatte die ersten finanziellen Probleme in meinem Leben. Ich lernte, dass man mehr Geld ausgeben kann als man hat, wenn man einen Job hat. Dass das aber mit Leichtigkeit Probleme mit sich bringt.
Im Bezug auf Freundschaften lernte ich auch eine Menge. Zum Beispiel, dass es Menschen gibt, die dich Freund nennen (und es dir auch manchmal sind) aber trotzdem verschiedene Gelegenheiten nutzen um dich zu ärgern oder schlimmer noch schlecht da stehen zu lassen. Zum Beispiel vor Frauen, die einen interessieren.
Ich lernte, dass man Gefühle für einen Menschen über die Jahre verlieren kann und das eine Beziehung ohne Gefühle irgendwann keinen Spaß mehr macht. Das es schwierig sein kann mit einem Menschen zusammen zu leben, selbst wenn man diesen sehr gerne hat. Aber ich lernte auch, dass es schön ist, nicht alleine in einem Bett zu schlafen.

Alles in allem lernte ich also immer mehr, was mir immer mehr die Unbeschwertheit nahm. Wenn ich früher etwas einfach getan hätte (zum Beispiel als 14-jähriger in einem leerstehenden Gebäude unter anderem mit Feuer spielen) würde ich heute nicht mehr tun, weil ich weiß, dass es Konsequenzen haben könnte.
Mit den Jahren kamen dann aber auch die ein oder anderen größeren Erfolge. Ich beendete meine Ausbildung erfolgreich und fand einen guten Job. Heutzutage kann ich mir Dinge leisten, die früher nicht für mich in Frage kamen. Kann zu Konzerten gehen, lange wach bleiben, für mich selbst entscheiden.
Unabhängig bin ich jedoch nach wie vor nicht. Natürlich hänge ich nicht mehr von meinen Eltern ab. Dafür aber von meinem Job. Ohne Moos nichts los.
Und im Gegensatz zur Abhängigkeit von meinen Eltern zwingt sie mich zu verschiedenen Dingen: Anforderungen erfüllen, Normen entsprechen usw.
Als Kind war es viel einfacher.  Die Anforderungen kamen von den Eltern und die verziehen einem alles, weil sie einen lieben. Sie gaben einem die nötige Sicherheit, damit man seine Kindheit genießen konnte. Unbeschwert sein.

Doch momentan wird mir etwas be
wusst, was komisch ist am Älter werden. Trotz dessen, dass ich mir all der möglichen Probleme bewusst bin, die ich haben könnte, all der zu erfüllenden Erwartungen, der notwendigen Anpassung meiner Selbst an geltende Normen:
Was mich immer noch am meisten beschäftigt und die höchste Chance hat mich um den Schlaf zu bringen: Freundschaften und Beziehungen.
Und es ist gleichzeitig das worüber ich in meinem Leben am Wenigsten gelernt habe, obwohl es so ein zentraler Bestandteil war. In all den Jahren habe ich zwar durchaus verstanden wie man Freundschaften pflegt aber wie sie tatsächlich funktionieren (warum verbringe ich z.B. gerne Zeit mit Menschen, die mich zwar manchmal wie einen Freund behandeln aber eben auch gerne ärgern?)  weiß ich nicht.
Ich weiß nicht, woran es liegt, dass man sich in einen Menschen verliebt und in einen anderen nicht. Oder warum es immer so schwer sein muss, wenn man Gefühle für jemanden hat und sich nicht sicher ist, was der andere empfindet. Warum es selbst dann schwer sein muss, wenn man doch trotzdem eine wunderschöne Zeit mit diesem Menschen verbringt.

Wenn ich die Wahl hätte sind das Dinge, die ich gerne verstehen würde. Oder aber wenn das nicht geht, würde ich mir wünschen, in der Lage zu sein über so was einfach nicht nachzudenken. Ein kleines Stück Unbeschwertheit für einen Aspekt meines Lebens.

Tagesablauf eines Rauchers

Es gibt Dinge, die werden einem erst nach ein paar Tagen Nikotinabstinenz richtig bewusst. Zum Beispiel wie sehr der eigene Tagesablauf an die Sucht, der man ja unterliegt, angepasst ist.

Nehmen wir einen ganz normalen Montag, wie er vor einer Woche noch ausgesehen hätte. Ich werde morgens wach, irgendwann zwischen 7:00 Uhr und 8:30, je nachdem wie ich meinen Wecker gestellt habe.
Noch bin ich nicht richtig wach und trotzdem verspüre ich das Bedürfnis eine zu rauchen. Eine schwere Wahl: Erst der morgendliche Gang zur Toilette oder doch erst eine rauchen? Die Wahl fällt jeden Tag unterschiedlich aus, aber so oder so: Der Toilettengang ist das Einzige was zwischen Aufstehen und Zigarette eventuell passiert.
Nach dem Fagerström-Test gelte ich damit übrigens schon als stark abhängig.

Während ich die erste Zigarette rauche, stelle ich an manchen Tagen fest, dass meine Zigaretten fast leer sind. Das beunruhigt mich instinktiv. Also laufe ich mit der Zigarette im Mund durch die Wohnung und suche nach meinem Portemonnaie. Ich finde es in meiner Hosentasche und durchsuche es auf Geld, das in den Zigarettenautomat passt. Also ein 5-Euro-Schein oder besser noch Kleingeld.
Dummerweise hab ich nur große Scheine und mein Kleingeld reicht nicht. Zum Glück habe ich ja eine Spardose, in die ich regelmäßig mein Kleingeld werfe. Ob ich da wohl genügend Kleingeld finde?
Ja, da hab ich Glück. Ein guter Moment um kurz zu verschnaufen.
Da steh ich nun: Mit dem Kleingeld in der Hand und in Boxershorts. So kann ich nicht zum Zigarettenautomat. Also zieh ich mir die Klamotten vom Vortag an, nehme meine EC-Karte und das Kleingeld und gehe damit zum Zigarettenautomaten. Wunschmarke leer. Alternativmarke? Auch leer.
Na gut, dann nehm ich halt irgendeine Marke.

Zurück in der Wohnung lass ich mir Badewasser ein, schalte den Computer an und während das Wasser in die Wanne plätschert surfe ich auf Facebook rum, suche mir einen Song, den ich mir als ersten an diesem Tag anhören möchte, und mache dies und das. Dabei rauche ich. Ein, zwei, drei Zigaretten? Ich weiß es nicht. Es variiert aber meistens sind es schon ein paar.

In der Badewanne rauche ich nicht. Dafür setz ich mich aber gerne mit Handtuch um die Hüfte vor den Computer, wenn ich noch Zeit habe.
Dann hör ich noch etwas Musik, surfe noch ein bisschen und.. rauche.
Bis ich mich dann angezogen und auf den Weg zur Bushaltestelle gemacht habe, dürfte ich bereits 5-6 Zigaretten geraucht haben.
Ich bin kein Morgenesser. Gefrühstückt habe ich also bis dato noch nicht.
Auch Kaffee trink ich erst in der Firma.

Die nächsten Zigaretten rauch ich an der Bushaltestelle, während ich auf den Bus warte, und auf dem Weg von der Haltestelle zur Firma.
In der Regel rauche ich während der Arbeit am Wenigsten. Außer an Tagen wo ich wenig zu tun habe. Da geh ich was öfters auf den Balkon, ansonsten so im Stunden-Rhythmus. Wenn ich viel zu tun oder Meetings habe auch mal nur alle zwei Stunden.
Apropos Meeting: Montags habe ich ein regelmäßiges Meeting. Das dauert in der Regel ein bis zwei Stunden. In seltenen Fällen auch mal länger. In Meetings werde ich nach gut einer Stunde nervös: Der Nikotinteufel will gefüttert werden. Entsprechend werde ich genervt wenn es mal vorkommen sollte, dass wir uns an Themen unnötig aufhalten.

Gegen Mittag bestellen wir meistens was zu Essen, für die Mittagspause. Häufig geh ich dann nach Abgabe meiner Bestellung rauchen und nachdem das Essen da ist und ich gegessen habe.

Irgendwann zwischen 16 und 18 Uhr mache ich dann Feierabend. Auf dem Weg zum Bus rauche ich mir eine Zigarette. Und falls ich länger auf den Bus warten muss auch. Schließlich weiß jeder Raucher, dass der Bus immer dann kommt, wenn man sich gerade eine Zigarette angezündet hat.

Zu Hause rauch ich während ich auf mein Essen warte, das ich entweder bestelle, selber zubereite (dann rauch ich natürlich nur, während ich nicht in der Küche bin) oder als Fertiggericht in den Ofen schiebe. Und während ich am Computer sitze. Und vor dem Fernseher. Die letzte Zigarette rauche ich wenige Minuten bevor ich ins Bett gehe.
Insgesamt habe ich bis ich abends ins Bett gehe 18-20 Zigaretten geraucht.

Manchmal kann ich nicht einschlafen. Wenn ich dann so im Bett wach liege und über irgendwas nachdenke, steh ich irgendwann auf und rauche eine Zigarette. Bizarrer Weise kann ich danach meistens einschlafen.

Chroniken eines (frischen) Ex-Rauchers

Mit dem Rauchen aufzuhören ist kinderleicht. Ich habe es schon hundertmal geschafft.“ (Mark Twain)

Seit einer Weile trage ich mich nun mit dem Gedanken rum, mal wieder mit dem Rauchen aufzuhören. Ich weiß, dass es geht, denn ich war schon einmal erfolgreich und Gründe habe ich allerhand:

  • Rauchen ist eine sinnlose Geldverschwendung. Jeden Tag puste ich damit vier Euro sinnlos in die Luft. An den Wochenenden, zumindest dann wenn ich weg gehe, sogar mehr.
  • Mein Immunsystem lässt in den letzten Monaten stark zu wünschen übrig. Wie wir alle wissen ist Rauchen nicht gerade förderlich für eben jenes.
  • Man stinkt ständig nach Qualm.
  • Eine 5-Stunden – Zugfahrt, während der man nicht rauchen kann, ist jedes Mal eine Qual. Genau wie jede andere Nicht-Gelegenheit. Also ein Zeitraum in dem man sich vom Gedanken ans Rauchen ablenken muss.
  • Machen wir uns nichts vor: In jemanden verliebt zu sein, die nicht raucht, ist auch ein gewichtiger Grund 😉

Anfang letzter Woche war der Entschluss dann gefasst.
Letztes Mal war ich ziemlich erfolgreich mit der Schluss-Punkt-Methode.
Das heißt, man legt einen Termin fest, an dem man nicht mehr raucht.
Ich legte den ersten Oktober fest, weil es mir sinnvoll erschien, dass mein erster rauchfreier Tag auf einen Arbeitstag entfällt, ich also abgelenkt bin
und weil man es sich so gut merken kann.

Wie bereitet man sich nun auf diesen Tag vor?

Es empfiehlt sich, sich mit der eigenen Entscheidung auseinander zu setzen. Hat man das Gefühl was aufzugeben oder etwas zu gewinnen? So blöd das klingt aber man muss von letzterem überzeugt sein. Tatsächlich sollte es möglich sein, als rational denkender Mensch, zu dem logischen Schluss zu kommen das Rauchen doof ist und man eigentlich durch Aufhören nur gewinnt.

Aber die Meisten wissen das vermutlich eh schon, was einen zu einem anderen wichtigen Punkt bringt:
Sich mit den Folgen vertraut machen. Realistisch betrachtet scheitern die meisten Aufhörversuche an der eigenen Panik vor dem Leben ohne Nikotin. Doch was kann schlimmstenfalls passieren?
Kann man mit den möglichen Entzugssymptomen leben?
Eigentlich ist alles recht harmlos und nach kurzer Zeit vorbei. Jedenfalls nicht viel dramatischer als eine Grippe – die wir doch alle schon ausgehalten haben, oder?
Ich für meinen Teil kannte das alles schon und fand es beim letzten Mal meistens ausgesprochen relaxed. Kein Grund für Panik. Das zu wissen macht es sicher jetzt viel einfacher.

Die letzte Zigarette
Donnerstag war dann der letzte Tag an dem ich rauchen wollte. Da gibt es keinen Grund die Menge zu reduzieren. Im Gegenteil: Ich habe mehr geraucht. Insgesamt praktisch die doppelte Menge von dem was ich sonst rauche. Der Grund ist einfach: So viel zu rauchen schafft (hoffentlich) ein Ekelgefühl vor dem Rauchen. Jede weitere Zigarette, die ich Donnerstag Abend rauchte wurde ekliger und ekliger. Gute Voraussetzungen für die ersten rauchfreien Tage, denn daran kann man sich bei Schmachtattacken erinnern.
Die letzte Zigarette aber genoss ich in vollen Zügen und tat wie ich vielerorts las, dass man es tun solle: Ich nahm mir dafür Zeit und rauchte sie bewusst. Wirklich mal darauf achten was ich schmecke, wie es sich anfühlt und so weiter. Sich bewusst machen, dass man danach keine mehr rauchen wird.

Danach konfigurierte ich den Aufhörzeitpunkt in StopSmoking auf meinem Android. Als Techie will ich natürlich etwas was für mich ausrechnet wie lang ich schon rauchfrei bin, wie viel Geld ich gespart habe und nebenbei Motivationshilfen enthält 😉

Der erste rauchfrei Tag
Überall heißt es, dass der erste Tag der schlimmste wäre. Was ein Blödsinn.
Ja, ich hatte meine erste „Ich muss rauchen“-Attacke direkt nach dem Aufstehen. Die konnt ich aber erfolgreich mit einem Nikotin-Kaugummi unterdrücken (ekelhaftes Zeug – wenn es irgendwie ohne geht, würde ich davon schwer abraten) und den restlichen Tag merkte ich gar nichts. So ging es mir schon beim letzten Mal. Bin ich als anders als Andere oder ist das Gebrabbel über den schlimmen ersten rauchfreien Tag nur ein Mythos?
Außerdem fand ich es ein gutes Gefühl, die ersten gesparten 4 Euro in ein Glas zu schmeißen.

Schlaflose Nächte
Manche Leute geben als Entzugssymptom Schlafprobleme an. Und tatsächlich gehört das zu den wenigen Symptomen, die ich zumindest bei meinem ersten Versuch aufzuhören auch hatte.
Dieses Mal scheint mich das von Samstag auf Sonntag wieder zu überfallen. Alpträume halten mich vom Schlafen ab. Allerdings sind das Träume, die mir nicht unbekannt sind und ferner leide ich auch so manchmal unter Schlafproblemen, so dass ich es nicht sicher dem Nikotin zuordnen kann.

Der erste schwere Tag
Dafür erlebe ich den ersten wirklich schweren Tag am Sonntag. Nach jener wenig erholsamen Nacht stehe ich mit dem falschen Fuß zuerst auf und bin schlecht gelaunt. Negative Gedanken verleiten mich ein paar Mal zu dem Wunsch nach einer Zigarette und Entzugserscheinungen, weil ich nicht nachgebe. Schweißausbrüche, Herzrasen, Lustlosigkeit. Das ganze Programm. Mir kommt der Gedanke, dass ich das alles sehr schnell beenden könnte. Ich müsste nur zum Zigarettenautomat.. Stopp!
Ich werfe einen Blick zu dem Glas in das ich jeden Tag 4 Euro werfe um das Geld zu sparen, was ich sonst für Zigaretten ausgeben würde.
Es ist Tag 3. Da liegen 12 Euro drin. Das würde für drei Schachteln Zigaretten reichen. Es könnte sich aber auch weiter vermehren. Ich verwerfe den Gedanken zum Zigarettenautomat zu gehen. Mehrfach an diesem Tag.
Es ist keiner schöner Tag. Ich überlebe ihn aber.

Am Tag 4 ist der dritte Tage, der Schwere, schon wieder fast vergessen. Es ist wieder ein Arbeitstag und tatsächlich fällt mir das Nichtrauchen an diesen Tagen am leichtesten.
An diesem und am nächsten Tag soll ich noch die ein oder andere Schmachtattacke haben. Aber nichts dramatisches und ausnahmslos nach fünf Minuten vorbei.

Ich schreibe diese Zeilen am mittlerweile 6. Tag. Im Glas liegen seit heut morgen 24 Euro. Ein Grund zu rauchen? Keineswegs.
Morgen werden da 28 Euro drin liegen. Übermorgen 32 Euro.
Und so weiter. Bis am Ende des Monats 124 Euro in diesem Glas liegen.
Wenn ich mir davon zwischendurch nicht irgendetwas gönne, könnte die Summe im Glas nach einem Jahr beinahe 1500 Euro betragen.
Eine Menge Holz oder? Und was geb ich dafür auf?
Nichts. Jedenfalls nichts Gutes.